Sande - Konzentriertes Arbeiten ist in der Klasse 8 RS im Schulzentrum am Falkenweg in Sande kaum noch möglich. Die Klasse hat 36 Schüler und ist damit eigentlich viel zu groß, müsste in zwei Klassen geteilt werden. Doch dafür fehlt es in der Schule an Platz – den gebe es gleich nebenan in der Grundschule Sande. Doch die zeigt bisher wenig Kooperationsbereitschaft, trotz komfortabelster Anzahl und Ausstattung mit Klassen- und Fachräumen. Für das pädagogische Konzept der Schule werden alle Räume selbst benötigt.
Start mit nur 17 Kindern
„Die Kinder sind fahrig, gereizt und ausgepowert“, sagt Petra Koscheck, deren Sohn die 8 RS besucht. „Ständige stressbedingte Kopf- und Magenschmerzen sind Folge dieser Situation“, so Koscheck. „Einige Kinder sind auf dem besten Weg zum Burn-out.“
Auch Peter Lasthaus, dessen Sohn ebenfalls die 8 RS besucht, berichtet von unzumutbaren Zuständen. Ständig müsse improvisiert werden, um der großen Schülerzahl dieser Klasse Herr zu werden. So würde, um die Klasse zu teilen, gelegentlich ein innenliegender Raum genutzt, der aber weder möbliert ist noch Fenster hat. Vor der Unterrichtsstunde müssten erst Tische und Stühle hereingeräumt werden. An anderen Tagen wird die Mensa als Unterrichtsraum mitgenutzt – bis auch dort irgendwann das Personal anfängt, mit dem Geschirr zu klappern. Durch die ständigen Umzüge innerhalb der Schule gehe viel Unterrichtszeit verloren, es liege ein ständiger Lärmpegel in der Luft, die in Räumen, die nicht gelüftet werden können, zudem oft auch sehr stickig ist.
Dabei war die Klasse nicht immer so groß, berichtet Katja Esau von der Elternschaft der 8 RS. Überschaubare 17 Mitschüler zählte die Realschulklasse, als sie 2009 als neuer Jahrgang 5 in Sande startete. Um die größte Not zu lindern, unterrichten in der Klasse teilweise sogar zwei Lehrer gleichzeitig.
Der starke Zuwachs dieser Klasse ist Folge von Schulwechseln und Jahrgangswiederholern. Manch ehemaliger IGS-Schüler oder Gymnasiast landete in der 8RS in Sande. Die Schule, die im zweiten Jahr Oberschule ist (mit Jahrgang 5 und 6) besuchen inzwischen rund 540 Kinder aus Sande und Schortens - Raumkapazitäten gibt es nach Auskunft der Schule aber nur für rund 460 Schüler.
Kein Platz beim Nachbarn
Die Eltern, vor allem aber auch die Schüler, wollen das so nicht mehr hinnehmen: „Hier muss etwas passieren, und zwar schnell“, sagt Petra Koscheck. Der Landkreis Friesland als Schulträger hatte angeboten, mit Klassenzimmer-Containern auf dem Pausenhof auszuhelfen. Die würden für die Dauern von zwei Jahren 100 000 Euro kosten.
Bevor die Schulbezirke verändert werden, halten die Eltern eine Lösung mit der Grundschule am sinnvollsten und verstehen nicht, weshalb eine Einigung so schwierig ist.
„Die Grundschule hat die Inklusion eingeführt und zum neuen Schuljahr wird die Ganztagsschule einführt“, sagt Bürgermeister Josef Wesselmann. Dies ist mit erheblichen zusätzlichen Vorbereitungsarbeiten verbunden. Mit Einführung des Ganztagsschulbetriebs seien größere räumliche Veränderungen mit zusätzlichem Raumbedarf verbunden. So wird zum Beispiel auch der jetzige Streitschlichterraum mit benötigt.
Außerdem wird der Hort zum neuen Schuljahr von der Gemeinde Sande übernommen. Derzeit werde das Konzept erstellt. Es kann im Augenblick auch noch nicht definitiv gesagt werden, ob die beiden Räume für den Hort ausreichen. Möglicherweise ergebe sich dort noch weiterer Bedarf, so Wesselmann.
