Zetel - „Länger heißt nicht unbedingt besser.“ Das hat Hannelore Evers, Leiterin der Astrid-Lindgren-Grundschule Neuenburg, am Donnerstag betont. Nicht die Wiederholung einer Klassenstufe durch Zwangsrückstufung, sondern die gezielte Förderung leistungsschwächerer Schüler sei die Lösung. Dies sagte sie zur Absicht der neuen rot-grünen Landesregierung, das Sitzenbleiben an Schulen abzuschaffen. „Den Vorstoß finde ich eigentlich richtig“, erklärte sie auf Nachfrage der NWZ . Ähnlich äußerten sich auch Meike Kreutzburg, Leiterin der Grundschule Zetel, und Heike Neumann, Leiterin der Haupt- und Realschule Zetel.
Für Schüler in Niedersachsen heißt es bislang, wenn sie zwei Fünfen oder eine Sechs auf ihrem Schuljahreszeugnis haben, dass sie die Klasse wiederholen müssen. In der Grundschule gibt es laut den Schulleiterinnen Evers und Kreutzburg diesbezüglich nur wenige Einzelfälle. „Wenn einem Kind die Puste ausgeht, Übermüdung und Erschöpfung wegen Überforderung auftreten, werden mit den Eltern Gespräche geführt“, erklärte Evers. „Die Schwierigkeiten können ganz vielfältige Ursachen haben.“
Es kann ein freiwilliges Zurücktreten in den darunterliegenden Jahrgang folgen, manchmal auch mitten im Schuljahr – und „nicht erst, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist“, erläuterte Kreuzburg. Die grundsätzliche Entscheidung, bei mangelndem Leistungsstand zurückzustufen, sei jedoch nicht richtig. Vielmehr sollten an Stelle dessen andere Strukturen greifen, wie die gezielte Förderung. „Wir brauchen viel mehr Individualisierung“, meinte Kreutzburg. In der Schule sollten Kinder als Individuen ihr Potenzial entfalten können und gleichzeitig lernen, sich in die soziale Gemeinschaft einzubringen. Um die individuelle Förderung jedoch verwirklichen zu können, sei mehr Personal erforderlich.
Bei Wiederholern ist eine Verbesserung nach Angaben von Heike Neumann – laut Ergebnis entsprechender Studien – nicht unbedingt festzustellen. Leistungsschwächen würden oft nur in bestimmten Fächern bestehen, in diesen sollte nach ihrer Meinung für betroffene Schüler entsprechend differenzierter Unterricht angeboten werden können. „Diese Möglichkeit sollte es schon geben“, betont sie.
