KIEL - Wer „über 50“ seinen Job verliert, findet nur schwer einen neuen. Im Ausland ist man weiter.
Von Carina Frey
KIEL - Die Bewerbung ist einwandfrei: Der Lebenslauf belegt langjährige Erfahrung, die Qualifikationen stimmen. Zum Vorstellungsgespräch wird der Bewerber trotzdem nicht eingeladen. Er hat einen Makel – er ist zu alt. „Da spielen viele Vorurteile eine Rolle. Ältere gelten immer noch als weniger belastbar“, sagt Helmut Riedel vom „Netzwerk 50 plus“ in Kiel.Dem Bundeswirtschaftsministerium zufolge zeigen zwar nationale und internationale Studien, dass es keine signifikanten Unterschiede in der Arbeitsleistung älterer und jüngerer Menschen gibt. Trotzdem haben nur 40 Prozent der 55- bis 64-Jährigen in Deutschland Arbeit. Und wer seinen Job verliert, bekommt nur schwer einen neuen.
Bei einer Studie des Nürnberger Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung gaben rund 15 Prozent der Betriebe an, sie würden Ältere keinesfalls einstellen. Weitere acht Prozent erklärten, sie würden über 50-Jährige nur einstellen, wenn es keine jüngeren Bewerber gibt.
Selbst die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) appellierte bereits an die Bundesregierung, die Erwerbstätigkeit älterer Menschen zu fördern. Tatsächlich wurde Ende vergangenen Jahres ein Zusatzprogramm in Höhe von 200 Millionen Euro beschlossen. Und die Bundesregierung will in den nächsten Monaten weitere Maßnahmen auf den Weg bringen.
Doch schon jetzt gibt es Fördermöglichkeiten. So bekommen Arbeitslose über 50, die einen geringer entlohnten Job annehmen, von der BA einen Zuschuss zum Gehalt. Dadurch soll schlechter bezahlte Arbeit attraktiv werden. Arbeitgeber erhalten Eingliederungszuschüsse, wenn sie ältere Arbeitnehmer einstellen.
Wer mit 50 Arbeit sucht, muss vor allem flexibel sein, sagt Hermann Leistner, Sprecher der Agentur für Arbeit in Leipzig. „Wenn es in seinem Berufsfeld kaum noch Arbeitsplätze gibt, muss er sich bei artverwandten Berufen umsehen.“ Leistner rät, frühere Jobs in die Überlegungen einzubeziehen. „Daran lässt sich vielleicht anknüpfen.“ Auch Selbstständigkeit sollte erwogen werden. Wichtig sei Bereitschaft zur Mobilität. In vielen anderen Ländern werde längst nicht so stark wie in Deutschland auf das Alter der Bewerber geachtet. „Da zählt vor allem die Qualifikation.“
