Hude - Wie kommt die NWZ nach Peru? – Im Flugzeug. Im Gepäck der Leiterin des katholischen Huder Kindergartens St. Marien, Petra Ahrens.
Und prima basteln kann man mit so einer gedruckten Zeitung. Das erfuhren die Kinder im Familienzentrum Casa Belén in Brena, einem Stadtteil von Lima in Peru, als sie Besuch von Petra Ahrens bekamen. Bevor aus den Zeitungsseiten gemeinsam Schiffchen und Hütchen gefaltet wurden, schauten sich die Kleinen natürlich auch die Bilder an – aus einer für sie recht fremden Welt.
Erzieherin Petra Ahrens war in ihrem Urlaub in Peru, um dort an einer Tagung des Verbandes der Panamerikanischen Kindergärten der Humboldt-Schulen teilzunehmen und auch zwei Vorträge zu halten.
Verbindungen zu deutschen Kindergärten im Ausland hat die Huder Kita-Leiterin schon seit dem Jahr 2009, als sie durch eine Bekannte zu einer Fortbildungsveranstaltung nach Mexiko eingeladen worden war. Daraus entwickelten sich weitere Kontakte. Kindergartenleiterin Ingrid Oberg aus Puebla (Mexiko) kam zum Beispiel für drei Monate nach Hude, um die hiesige Kindergartenarbeit kennenzulernen.
Kontakte seit 2009
Petra Ahrens wiederum erhält Einladungen zu Kongressen der Humboldt-Schulen. So war sie schon im vergangenen Jahr in Lima, um eine dreitägige Fortbildung zum Thema Sprachentwicklung zu leiten. „Mit großem Erfolg“, sagt sie. Die Teilnehmerinnen seien glücklich, von dem Erfahrungsschatz und der Arbeit der deutschen, katholischen Kindergärten profitieren zu können.
In diesem Herbst war Petra Ahrens erneut in Lima. Neben der Teilnahme an dem Kongress der Humboldt-Schulen, war es ihr ein Anliegen, auch in einem Kindergarten vorbeizuschauen, im dem Jungen und Mädchen aus einem ärmeren Viertel der Stadt betreut werden. Im vergangenen Jahr sei sie schon einmal im Familienzentrum Belén gewesen, so Ahrens.
Diese Einrichtung des Sozialwerks der evangelischen Kirchen in Peru betreut 90 Kinder aus armen Familien. „Sie finanziert sich ausschließlich aus Spenden“, erzählt Ahrens.
Von der Straße holen
Die Diskrepanz zwischen Arm und Reich sei sehr auffällig. Auf der einen Seite die Kinder aus gut situierten Familien, die die Einrichtungen der bilingualen Humboldt-Schule besuchten, auf der anderen Seite die Kinder aus den armen Familien, denen das Familienzentrum eine bessere Zukunft bieten möchte. „Das zeigt mir, wie gut es uns geht“, sagt Petra Ahrens mit Blick auf die Familien, die in Brena, einem der dicht bewohntesten Stadtteile Limas, leben. Viele Kinder wachsen in ärmlichen Verhältnissen auf. Schutzlos in einer Umgebung mit vielen negativen Einflüssen, heißt es auf der Internetseite des Familienzentrums.
Mit der Ganztagsbetreuung wolle das Familienzentrum die Kinder vor einem Leben auf der Straße bewahren, wo Gewalt und Kriminalität gegenwärtig seien.
Petra Ahrens verbrachte einen Tag in der Einrichtung, spielte, sang und bastelte mit den Kleinen. Verständig habe man sich meistens mit Händen und Füßen. Und weil Bastelmaterialien in dem Kindergarten rar seien, kam ihr die Idee mit der Nordwest-Zeitung, die sie sich als Lektüre für den Hinflug eingepackt hatte.
Große Herzlichkeit
Die Kinder machten begeistert mit und hatten auch viele Fragen zu den Bildern in der Zeitung, die Petra Ahrens mit Übersetzungshilfe der Erzieherin beantwortete. Begeistert zeigte sie sich von der großen Herzlichkeit. Die Kinder seien mit Kleinigkeiten zufrieden. Sie seien froh, jeden Tag etwas zu Essen zu haben. Petra Ahrens plant, eine Fotoausstellung in der katholischen Kirche über ihren besuch in Peru. Und sie will ein bisschen werben um Spendenwillige. „Da ist Not, da kann man helfen“, sagt sie.
