Ganderkesee - Die kleine Charlotte, fast drei, möchte schwimmen lernen. Und auch ihre Eltern möchten, dass Charlotte schwimmen lernt – nicht zuletzt, weil zu Hause der Bau eines Pools geplant ist. Die verantwortungsvollen Eltern möchten aber auch verhindern, dass ihre Tochter eines Tages zu der wachsenden Zahl von Grundschülern gehört, die sich in den ersten vier Schuljahren noch nicht zuverlässig über Wasser halten können. Für rund 50 Prozent aller Viertklässler trifft das laut DLRG-Präsident Klaus Wilkens zu. Noch Mitte der 80er-Jahre waren es in Westdeutschland gerade einmal zehn Prozent.
An Mitbewerber verwiesen
Aber so einfach ist das in Ganderkesee nicht mit dem Schwimmenlernen, wie Charlottes Mutter Corinna Wiedau erfahren musste. Zunächst kontaktierte sie den Schwimmverein Ganderkesee. Eineinhalb Jahre Wartezeit habe man ihr für den nächsten freien Platz in einem Schwimmkursus prognostiziert, berichtet die Studienrätin, und habe sie an die Bäderbetriebsgesellschaft Saunahuus und Bäder verwiesen.
Doch auch dort hatte die Mutter keinen Erfolg: Man würde erst Kinder ab sechs Jahren aufnehmen, habe es dort von einer Mitarbeiterin geheißen, berichtet Corinna Wiedau, in deren Bekanntenkreis gleich mehrere Eltern jüngerer Kinder auf der Suche nach freien Plätzen in Schwimmkursen sind.
Bei der Aussage der Mitarbeiterin könne es sich nur um ein Missverständnis handeln, vermutet Bäderbetriebsleiter Edgar Sauer. Tatsächlich würden im Saunahuus Kinder ab fünf Jahre unterrichtet. Sauer räumt jedoch ein, dass sich Eltern auch in seinem Betrieb bis zu ein Jahr lang gedulden müssen, bis sie ihre Kinder im Schwimmkursus unterbringen können. „Das hängt davon ab, wie schnell die Kinder in den bestehenden Kursen weiterkommen.“ Zwölf Unterrichtseinheiten verteilen sich je nach Leistungsstand auf drei Stufen.
Sauer rät allen Eltern, ihre Kinder schon früh mit dem Element Wasser vertraut zu machen. Nicht selten sei es dann möglich, die erste Kursstufe, bei der die Wassergewöhnung im Vordergrund steht, direkt zu überspringen.
Ausbilder ausgelastet
Mit einer Warteliste arbeitet auch die DLRG-Ortsgruppe Ganderkesee. „Die Ausbildung ist sehr zeitintensiv“, erklärt Vorsitzender Heiko Gierke. „Bei uns bleiben die Kinder mindestens so lange, bis sie wirklich schwimmen können.“ Einmal in der Woche wird ein Dutzend Anfänger bei der DLRG unterrichtet; sobald ein Platz frei wird, rückt ein anderer Interessent nach. Dass nicht einfach aufgestockt wird, hat zwei Gründe: „Unser Ausbildungspersonal ist ehrenamtlich tätig“, so Gierke. Zudem stünden nur begrenzt Kapazitäten in den Bädern zur Verfügung.
Wie Sauer rät auch Gierke allen Eltern, ihre Kinder möglichst frühzeitig für das Schwimmtraining anzumelden. „Ruhig schon mit zwei oder drei Jahren – das ist bei uns völlig unverbindlich“, empfiehlt Gierke.
Familie Wiedau hat Charlotte nun auf die Warteliste der Awo setzen lassen, die Kurse im Wohnpark am Fuchsberg anbietet. Dort, so hat Corinna Wiedau erfahren, sei die Wartezeit momentan überschaubar.
