Varel - Die Rettungsdecke raschelt, Kinder wuseln auf dem Boden herum und werden von Ausbilderin Petra Gröne mit gekonnten Handgriffen eingewickelt. Am Ende liegen einige gut verpackte Rettungsdecken-Päckchen auf dem Teppich. Beim Kurs „Erste Hilfe am Kind“ beim Roten Kreuz in Varel herrscht Trubel. Denn anders als sonst wird dieses Mal nicht an den für Erste-Hilfe-Kursen typischen Dummies geprobt, sondern am echten Kind. Sechs Eltern haben ihre Kinder mit in die Gaststraße gebracht.
Aber es geht nicht nur darum, was die Eltern beachten müssen, wenn ihren Kleinen etwas passiert und sie versorgt müssen, sondern den Kindern werden auch schon Grundlagen der Ersten Hilfe beigebracht. „Das Kind wird hier miteinbezogen. So weiß es auch, was im Notfall zu tun ist“, sagt Dennis Lau.
Die Kinder wissen jetzt auch, wie sie einen Verband anlegen, jemanden in eine Decke einwickeln, das Warndreieck bei einem Unfall aufstellen oder sich eine Warnweste anziehen.
Auch wie man einen Krankenwagen ruft, gehört zum Programm für die Kinder. „Allzu tief gehen wir hier aber nicht in die Tiefe, weil wir den Kindern schließlich keine Angst machen wollen“, erklärt Petra Gröne. Die Kinder sollen das alles nur schon einmal kennenlernen.
„Es geht ja auch darum, den Kindern Ängste zu nehmen. Wenn sie mit diesen Dingen schon einmal in Kontakt gekommen sind, sind sie weniger verunsichert, wenn es tatsächlich zu einem Notfall kommt“, sagt die Ausbilderin. Und auch bei den Eltern würden Berührungsängste abgebaut. Schließlich sei es noch einmal etwas völlig anderes, am eigenen Kind zu üben, als an einer anonymen Puppe.
Der Kurs gibt den Eltern aber auch die Möglichkeit, Fragen zu stellen: Was muss man bei Kindern mit Allergien beachten? Was kann man tun, wenn das Kind einen Fieberkrampf oder einen Anfall hat? Was kann ich tun, wenn sich das Kind an etwas verschluckt hat?
„Kindern zu helfen ist schwieriger, weil sie oft nicht beschreiben können, wo und was ihnen weh tut“, erklärt Petra Gröne. Dafür gebe es aber einen Trick: Zum Beispiel einfach einen Teddybären dazu nehmen, an dem das Kind zeigen soll, wo es Schmerzen hat. Natürlich verbirgt sich nicht hinter jedem „Aua“ gleich etwas lebensbedrohliches.
Und im Notfall ist Vorsicht geboten – etwa bei Verbrennungen. So sollten laut Petra Gröne Verbrennungen nur dann mit kaltem Wasser gekühlt werden, wenn die verbrannte Stelle nicht größer als die Hand des Kindes ist. „Sonst unterkühlt das Kind sehr schnell und der Kreislauf beginnt zu schwanken“, erklärt die Ausbilderin.
