KIRCHHATTEN - Wenn Max (6) eine Mathe-Aufgabe nicht versteht, kann er seine Lehrerin Friederike von der Aa fragen – oder seine Tischnachbarin Danielle. Die Neunjährige, die in anderen Schulen nicht im gleichen Klassenzimmer sitzen würde, ist in Mathe viel weiter als Max und hilft ihm gerne.

In der Grundschule Kirchhatten werden seit Beginn des Schuljahres die Klassenstufen eins bis drei gemeinsam unterrichtet, so wie schon die Klassen eins und zwei seit dem Schuljahr 2005/2006 in der Eingangsstufe. Bisher konnten schnelle Kinder nach einem Jahr in das dritte Schuljahr wechseln. Kinder die langsamer lernten, blieben drei Jahre in der Eingangsstufe.

Mehr und mehr arbeiten die Jungen und Mädchen in diesem System eigenverantwortlich an ihrem Unterrichtsmaterialien und helfen auch den jüngeren Kindern. „Wenn sie es erklären können, wissen wir, dass sie den Stoff beherrschen“, sagt Schulleiterin Friederike von der Aa. „Wenn nicht, müssen wir nacharbeiten.“

Wenn Eltern und Lehrer mit den Ergebnissen der Ausweitung des Jahrgangsübergreifenden Unterrichts zufrieden sind, soll im kommenden Schuljahr auch die Klasse vier mit einbezogen werden. Für eine Bewertung des neuen Systems ist es jetzt aber noch etwas zu früh, finden die Schulleiterin und ihr Stellvertreter Johannes Petrich. Nach dem ersten Halbjahr soll gemeinsam mit den Eltern Bilanz gezogen werden.

„Dabei müssen wir überlegen, was ist Folge der Jahrgangsmischung und was hat damit zu tun, dass wir nicht mehr volle Halbtagsschule sondern verlässliche Grundschule sind“, gibt Petrich zu bedenken. Diese von vielen Eltern heftig kritisierte Änderung war nicht aufzuhalten.

In der verlässlichen Grundschule haben die dritten Klassen mehr Unterrichtsstunden als die ersten und zweiten – nach dem neuen Konzept eine zusätzliche Herausforderung. Dem begegnet die Grundschule Kirchhatten damit, dass sie den ersten und zweiten Klassen am Morgen unterrichtsergänzende Angebote macht. An anderen Schulen wird diese von pädagogischen Mitarbeitern geleistete Betreuung in der Regel auf die Mittagszeit gelegt.

Wie schon in der Eingangsstufe ist die Unterrichtsvorbereitung für die gemischte Klasse nicht ganz einfach. „Ein Blatt einfach für 24 Schüler kopieren geht nicht, die sind alle unterschiedlich weit“, erklärt die Schulleiterin. Noch gebe es nicht viel Unterrichtsmaterial, an dem Kinder von Klasse eins bis drei je nach ihrem Wissenstand arbeiten könnten. Andererseits bringe die Altersmischung auch Erleichterungen, etwa wenn nicht 24 Aufsätze von Drittklässlern korrigiert werden müssen, sondern nur sechs.

Viele der Kinder haben ihre Bilanz schon gezogen, Max jedenfalls findet es toll, dass Danielle ihm bei den Mathe-Aufgaben hilft.