Thüle - Sabine Rolfes lädt in einen winzigen Besprechungsraum zum Interview. An der Grundschule Mittelsten-Thüle ist alles ein wenig kleiner. Aber das wusste die 41-Jährige schon vor ihrer Einführung als neue Schulleiterin vergangene Woche (die NWZ  berichtete). Schließlich hat sie den Posten bereits seit Anfang des Jahres kommissarisch bekleidet und ist seit 15 Jahren Teil des Kollegiums.

„Nur an dieser Schule“, habe ihre Antwort gelautet, als sie bei der Überprüfung durch die Landesschulbehörde (LSB) nach ihrer Offenheit für andere Leiterstellen gefragt wurde. Es war ein klares Bekenntnis zu Thüle. Rolfes hatte sich gezielt für die Position von Vorgängerin Elsbeth Hömmken beworben. Keine Selbstverständlichkeit, wenn man bedenkt, dass mehrere Schulleiterstellen derzeit nicht besetzt werden können. In Hohefeld wird laut Bürgermeister Sven Stratmann bereits zum 18. Mal ausgeschrieben. Von elf Grundschulen in Friesoythe werden drei kommissarisch geleitet, eine durch den Leiter einer anderen Schule. Bei einer weiteren steht die Besetzung laut LSB kurz vor dem Abschluss.

Einerseits schrecke die Prüfung, die Rolfes selbst als „knallhart“ empfunden hat, Kandidaten ab, glaubt sie. Andererseits die Mehrfachbelastung: eigener Unterricht, an kleinen Schulen sogar als Klassenlehrerin, dazu Verwaltungsaufgaben. „Und natürlich das hier“. Rolfes zeigt auf ein Plakat mit der Überschrift „Schulqualität in Niedersachsen“. Unzählige Punkte umreißen die vielen Aufgaben einer modernen, eigenverantwortlichen Schule.

Ein Thema bei der Stellenbesetzung sind zudem die Bezüge der Schulleiter, die zwar ein de facto kleines Unternehmen managen, aber kaum mehr bekommen als ihre Kollegen. Stratmann hatte während Rolfes Einführung eine bessere Bezahlung gefordert. Dem kann die Schulleiterin nur zustimmen, auch wenn sie die Aufgabe nicht wegen des Geldes übernommen habe.

Zugesagt hat Rolfes, weil ihre Familie ihr Rückendeckung gibt. In Werlte lebt sie mit Ehemann und zwei Kindern, fünf und zehn Jahre alt. Zudem reizen Rolfes die Möglichkeiten zu Gestaltung. „Wir wollen uns auf den Weg zur Ganztagsschule machen“, formuliert sie ein Ziel. Ideen für Nachmittagsangebote gibt es bereits. Die Mittagsverpflegung sollte kein Problem werden, da ein Mensabau nicht nötig ist. „Wir brauchen nur Tische und Geschirr.“

Inklusion wird ebenfalls ein Thema werden. Und womöglich kooperatives Lernen, also das gemeinsame Unterrichten mehrerer Klassenstufen. Auf dem Schulhof in Thüle ist das längt Alltag, denn wo es klein ist, da rückt man zusammen. „Hier spielen schon die Kleinen mit den Großen und lernen voneinander.“

Patrick Buck
Patrick Buck Redaktion Oldenburg (Stv. Leitung)