Kleinenkneten - Vor zwölf Jahren hat Tanja Erdmann ihr Hobby zum Beruf gemacht, jetzt geht es genau umgekehrt: Die langjährige Pächterin des Reinershofs in Kleinenkneten dreht Ende Januar den Schlüssel herum und wechselt wieder in ihren alten Beruf als Kinder- und/oder Altenpflegerin. „Genaues steht beruflich noch nicht fest, aber immerhin hat unsere Familie in Holzhausen ein neues Domizil gefunden“, berichtet die 50-Jährige, die inmitten von Umzugskartons in ihrer gemütlichen Wohnküche sitzt.
Dabei war die Haussuche für Tanja und Ehemann Jochen alles andere als einfach, denn auch wenn von den vier Kindern Patrick, Sarah, Jana und Malin derzeit nur noch die 18-jährige Malin zuhause wohnt, sind da noch Pferd Linus, die drei Hunde Pelle, Luna und Tessa, die Katzen Amy und Mia, die beiden (Lauf-)Enten Alfred und Daisy sowie sechs Hühner. „Zum Glück haben wir auch in unserem neuen Zuhause jede Menge Platz“, freut sich Erdmann, auch wenn ihr vor dem Umzug noch etwas graut.
Die Gesundheit war es, die die umtriebige Pferdenärrin zur beruflichen Umorientierung zwang. „Mit Arthrose in den Händen lässt sich die Arbeit hier einfach nicht schaffen“, bedauert sie. Deshalb fiel Weihnachten vor einem Jahr ihr Entschluss, den Pachtvertrag mit Hofbesitzer Gerd Hespe-Meyer zu kündigen und im März 2020 den Reinershof zu verlassen.
Weil sich mit dem Ehepaar Melanie und Odette Vöge aus Schiffdorf (Landkreis Cuxhaven) jedoch überraschend schnell Nachmieter fanden, ging dann alles etwas „holterdiepolter“. Für die 36 Einsteller wird sich dennoch nicht viel ändern. Sie können ihre Pferde auf dem Reinershof stehen lassen und haben lediglich einen neuen Ansprechpartner.
Umorientieren müssen sich jedoch die 70 Reitschüler, die bislang von Erdmann und Eileen Ryzich unterrichtet wurden. Beide stehen künftig nicht mehr zur Verfügung, da auch Ryzich einen neuen Job gefunden hat. Die Schulpferde werden entweder verkauft oder gehen in „Rente“, da die neuen Betreiberinnen einen kompletten Neustart möchten.
Erdmanns Dank gilt nach all den Jahren neben Ehemann Jochen besonders ihrer langjährigen Helferin Gunda Häger sowie „der tollen Stallgemeinschaft, die ich sehr vermissen werde“.
Den Abschied Ende Januar möchte Erdmann „ganz still und leise“ gestalten, denn „immerhin war es ja mein Lebenstraum, der jetzt zu Ende geht“, konstatiert sie etwas wehmütig.
Doch das „Abenteuer Reiterhof“ würde sie jederzeit wieder wagen: „Ich weiß jetzt, was man alles verwirklichen kann, wenn man wirklich dahinter steht.“ Toll sei es auch, mitzuerleben, wie aus den Ferienpass-Kindern von einst inzwischen souveräne Reiter geworden seien, die nun teilweise ihr eigenes Pferd hätten und beim Landesturnier in Rastede mitritten. „Es ist schön, so etwas wachsen zu sehen“, konstatiert Erdmann.
Nicht vermissen wird sie allerdings die Schattenseiten des Selbstständigendaseins. „Auf einmal die ganze Verantwortung zu haben, war genauso schwierig und ungewohnt wie der ganze Rattenschwanz der Buchhaltung“, blickt sie zurück.
Doch das ist jetzt ja bald Vergangenheit, wenn aus dem Beruf der Pferdenärrin wieder ein Hobby wird.
