Elsfleth - A wie Affe, Anhänger und Apfelsaft: Den Mädchen und Jungen des evangelischen Kindergartens fallen schon eine Menge Wörter ein, die mit dem Buchstaben „A“ beginnen. Der erste Buchstabe des Alphabets ist Thema in der Sprach- und Wortwerkstatt des Kindergartens.

„Wir verfolgen das Prinzip der offenen Gruppen“, erklärt Kindergartenleiter Kevin Blohm. Die Kinder beginnen und beenden den Tag in ihren Stammgruppen. Doch zwischendurch können die Kinder frei wählen, in welchem Gruppenraum sie spielen möchten. In den Räumen gibt es verschiedene Schwerpunkte. In der Sprach- und Wortwerkstatt liegt er auf der Sprache. So gibt es in diesem Raum viele Bilderbücher und Tischspiele, bei denen sich die Spieler viel unterhalten.

Um Sprache lernen zu können, müsse eine Kommunikation entstehen, sagt Blohm. Die Sprach- und Wortwerkstatt steht allen Kindern offen. Einige werden aber gezielt eingeladen. Für welche Kinder dies hilfreich wäre, bespricht das Team morgens. Die Angebote dauern meist eine halbe Stunde. So wird die Sequenz vier bis fünf mal täglich angeboten, erzählt Blohm. Im Morgenkreis wird den Kindern angekündigt, welche Aktionen sie erwarten – wie das Buchstaben-Spiel.

Dieses Spiel habe vor allem Kindern, die gerade anfangen Deutsch zu lernen, viel zu bieten. Oft hätten die Kinder einen guten passiven Wortschatz, den sie aktiv noch nicht verwenden können. Wenn sie das Wort Ampel hören, wissen sie was gemeint ist, das Wort hat sich aber noch nicht festgesetzt. Bei dem Buchstabenspiel können sie – indem sie den richtigen Gegenstand bringen – zeigen, dass sie die Bedeutung kennen, erklärt Blohm.

Die „alltagsintegrierte Sprachförderung“ setze stark auf die Reflexion der Mitarbeiter. Sie müssen sich darüber klar werden, wie sie selbst mit den Kindern kommunizieren. Anstatt mit „ja“ und „nein“ zu antworten, sollen die Mitarbeiter mit den Kindern in einen Dialog treten. Die Sprachwissenschaft habe herausgefunden, dass ständiges Korrigieren wenig hilfreich ist. Dies könne sogar dazu führen, dass ein Kind sich nicht mehr traue, zu sprechen. Besser sei es, mit dem Kind in einen Dialog zu treten und innerhalb des Gesprächs die „richtige Wortform“ anzubieten.

Das Bundesprogramm, an dem der Kindergarten sich seit Februar beteiligt, sei auf drei Jahre ausgelegt. Heike Rausch ist als pädagogische Fachkraft (halbe Stelle) eingestellt worden. Das Programm fußt auf drei Säulen. Einerseits die Arbeit am Kind. Rausch bereitet die Morgenkreise mit vor, ist jeden Tag in einer anderen Gruppe. Die zweite Säule ist die Elternarbeit. Sie helfe den Eltern bei Fragen und bietet Unterstützung. Drittens soll Rausch das Team coachen, im eigenen Sprachverhalten und in der Weiterentwicklung der konzeptionellen Arbeit.

Nach einem halben Jahr zieht Blohm eine erste Bilanz. Das Team habe festgestellt, dass die Mitarbeiter schon zuvor viele Dinge umgesetzt haben. „Wir sind schon recht weit in der alltagsintegrierten Sprachförderung“, sagt Blohm. Oft seien es nur Kleinigkeiten, die aber eine große Wirkung haben. „Zum Beispiel haben wir eine große Holzkiste, auf der die Kinder mit Tierfiguren spielen.

Das sei oft ziemlich laut gewesen, was natürlich für die Sprachentwicklung nicht gerade förderlich ist. Rausch hatte eine ganz einfache Lösung: „Auf diese Kiste haben wir jetzt ein Stück Teppich geklebt“, sagt Blohm. So sind es oft die kleinen Tipps, die Rausch an das Team weitergeben kann.

Merle Ullrich
Merle Ullrich Redaktion Brake