KöLN - Forscher warnen allerdings vor Aktionismus. Es dürfe auch mal ein „Abhängen“ geben.

Von Britta Schmeis

KÖLN - Der Feierabend naht und mit ihm das Unbehagen. Was tun mit der wertvollen freien Zeit? Manche üben sich in Aktionismus, andere vertrödeln den Abend mit teils überflüssigen Alltagspflichten oder hängen vor dem Fernseher ab. Auf ihre Kosten kommen oft beide nicht. Was Marketingstrategen längst erkannt haben, ist auch in Sachen Freizeitgestaltung das Gebot der Stunde: „Simplicity“, zu deutsch Einfachheit, lautet das Motto.

„Oft fehlt es mehr an der Lust als an der Zeit, ein Hobby auszuüben oder sich Zeit für sich zu nehmen“, erklärt der Freizeit-Psychologe Prof. Henning Allmer von der Deutschen Sporthochschule in Köln. Zudem sei es gesellschaftlich akzeptiert, ständig im Stress zu sein. Glücklicher macht das allerdings nicht: „Je länger man auf Erholung verzichtet hat, desto schwieriger wird es, sich dann irgendwann doch mal zu entspannen.“

Ganz von allein kommt die Erholung nach der Arbeit nicht. „Viele versuchen, krampfhaft auf Feierabend zu machen, obwohl ihnen der Stress des Arbeitstages noch im Nacken sitzt“, erläutert die Buchautorin Tania Konnerth aus Zernien. Sie empfiehlt, sich einen Moment Zeit zu nehmen, um den Arbeitstag wirklich abzuschließen. Für das Beste hält sie, alles Frustrierende, Wichtige und Schöne kurz aufzuschreiben.

Vorstellungskraft und kleine Notizen sind nach Ansicht der Experten ohnehin der Schlüssel für einen erfüllten Feierabend. „Wer sich abends nicht mehr aufraffen kann zum Sport, zur Verabredung oder zum Italienisch-Kurs, sollte sich vorstellen, wie glücklich und zufrieden er danach ist“, rät Zeitcoach Prof. Lothar Seiwert, Co-Autor des Bestsellers „Simplify your life“.

Ein klares Zeitmanagement hält Seiwert auch für ganz persönliche Vorhaben für den richtigen Weg. „Selbst wenn man sich nur vorgenommen hat, am Abend ein Buch zu lesen, sollte man dafür eine klare Verabredung mit sich treffen, eine Art Vertrag abschließen.“

Allerdings warnen die Freizeitexperten auch vor Aktionismus. „Jeder muss für sich selbst herausfinden, wobei er sich am meisten entspannt“, sagt Prof. Allmer. Der eine sei ein Jogging-Typ, für andere passe Yoga besser. Entscheidend sei, sich seiner Prioritäten klar zu werden. „Und es darf auch mal Abhängen und Fernsehen sein“, sagt Konnerth.