KöLN - Die meisten Stellen werden nicht über formale Suche besetzt. Oft ist „Klüngel“ im Spiel.
Von Deike Uhtenwoldt
KÖLN - Keine Abendveranstaltung ohne Streichhölzer, Papiertaschentücher und Kopfschmerztabletten. Das ist nicht etwa so, weil Hermann Scherer raucht oder ständig Schnupfen hat, sondern weil die Ausrüstung zum „Small-Talk-Kit“ des Managementtrainers aus Freising gehört: „Ich bin immer wieder ganz verwundert, wie viele Kopfschmerztabletten ich im Jahr weitergebe – doch die Investition lohnt sich!“, erklärt der erfahrene Netzwerker in seinem Buch „Wie man Bill Clinton nach Deutschland holt“.Seit der Verbreitung des Internets hat es sich herumgesprochen, dass wir alle mehr oder weniger Netzwerker sind. „Hier in Köln sagen wir Klüngel“, sagt der Vertriebsmitarbeiter Martin Müller. „Und da ist auch immer noch was dran.“ Aber da es den Lebensberuf nicht mehr gebe und Jobwechsel an der „Jahresordnung“ ist, brauche jeder Berufstätige Kontakte, um voranzukommen.
Auch Martin Müller tritt, wenn es darauf ankommt, an sein Netzwerk heran und würde beispielsweise eine Rundmail schicken, bräuchte er einen neuen Job. „Ich bekäme auch Angebote“, ist sich Müller sicher. Schließlich hat er jahrelang investiert, Kontakte und Informationen weiter gegeben, Beziehungen gepflegt. Damit angefangen hat der Betriebswirt nach dem Studium, weil er neu in Köln war.
Das Netzwerken gelernt hat Martin Müller bei den Wirtschaftsjunioren, einem Verband von jüngeren Führungskräften. Perfektioniert hat er es dank der Internetplattform Xing.com, über die er 3000 Kontakte online verwaltet: „Macht 3000 Geburtstagsgrüße im Jahr, die ich per E-Mail verschicke“, erklärt der Account Manager.
Ein anderer Ansatz: Schon im fünften Jahr organisiert Yvonne Laage Visitenkartenpartys in 14 Städten. „Meine Gäste kommen in der Regel allein, und sie kommen alle aus demselben Grund: Sie wollen Kontakte knüpfen.“ Laage bietet Profilwände oder Animationsspiele.
Die Karriereberaterin Madeleine Leitner aus München weist im Handbuch „Durchstarten zum Traumjob“ nach, dass drei Viertel aller Jobs nicht über Ausschreibungen, sondern über Bekannte und Kontakte, auch über virtuelle Plattformen wie Xing.com vergeben werden.
Literatur: Hermann Scherer: Wie man Bill Clinton nach Deutschland holt. Networking für Fortgeschrittene, Campus, 24,90 Euro; Richard Nelson Bolles: Durchstarten zum Traumjob, Campus, 24,90 Euro.
Mehr Infos unter www.visitenkarten.biz und www.xing.com
