Ganderkesee - Mehrere Tausend Schülerinnen und Schüler haben vorige Woche in Hannover gegen die Streichung von Klassenfahrten an vielen niedersächsischen Gymnasien protestiert. Rund 75 Prozent dieser Schulen im Land bieten in diesem Jahr weniger oder gar keine Fahrten an, hat der NDR ermittelt.

Dazu gehört auch das Gymnasium Ganderkesee: Im vergangen März hatte dessen Personalrat mehrheitlich beschlossen, aus Protest gegen die von der Landesregierung verordnete eine Stunde Mehrarbeit pro Woche sämtliche Klassenfahrten im Jahr 2015 auszusetzen (die NWZ  berichtete). „Daran halten sich die Kollegen“, sagte am Mittwoch auf Nachfrage die Personalrats-Vorsitzende Karen Freund. Die Studienrätin wies darauf hin, dass der Beschluss nicht rechtsverbindlich sei: Jeder Lehrkraft sei nach wie vor freigestellt, ob sie eine Klassenfahrt unternehmen wolle oder nicht.

Protestaktionen der Schüler, die im vergangenen Jahr nach dem Beschluss des Personalrats sogar einen einstündigen Schulstreik organisiert hatten, gibt es zurzeit nicht. An der Demo in Hannover haben Ganderkeseer nicht teilgenommen. Das Thema bleibe aber aktuell, erklärte Schülervertreter Dimitri Tsiganovski: „Klassenfahrten fördern die Persönlichkeitsentwicklung und die Selbstständigkeit, sie dienen zur Stärkung der Klassengemeinschaft und als Ausgleich zum Schulalltag“. Eine Streichung sei eine massive Einschränkung, gegen die sich die Schülervertretung weiter einsetze.

Möglichen neuen Unmut von Seiten der Schüler erwartet Karen Freund, wenn der Personalrat eine Entscheidung für das kommende Jahr treffe. „Wir werden aber erst nach den Sommerferien überlegen, wie es weitergeht“, betonte die Personalrats-Vorsitzende.

Ob die Lehrerinnen und Lehrer auch 2016 auf Klassenfahrten verzichten werden, hängt in erster Linie von bildungspolitischen Entscheidungen auf Landesebene ab. Zurzeit gebe es viele Gespräche darüber, wie die Landesregierung die Zukunft der Gymnasien gestaltet, erklärte Dr. Renate Richter, Direktorin des Gymnasiums Ganderkesee. Dabei gehe es sowohl um die Arbeitsbelastung der Lehrkräfte als auch um strukturelle Umgestaltungen, etwas die im Detail immer noch unklare Rückkehr zum Abitur nach 13 Jahren.

Hergen Schelling
Hergen Schelling Redaktion für den Landkreis Oldenburg (Leitung)