Wardenburg - Wer lernt hier eigentlich von wem? Seit dem 9. Februar macht der kolumbianische Austauschschüler Emmanuel Jaramillo ein Praktikum im Wardenburger Kinderhort. „Die Kinder sind alle total freundlich, und sie reden einfacher als die Erwachsenen und Jugendlichen. Ich lerne hier jeden Tag ein bisschen mehr“, sagt der 17-Jährige. Die Arbeit im Kinderhort macht ihm viel Spaß: Er bastelt mit den Kindern, spielt mit ihnen und erzählt viel über seine Heimat.
Doch nicht nur der Junge aus Südamerika profitiert von diesem Praktikum. „Die Kinder mögen Emmanuel total gerne und erfahren durch ihn ein wenig mehr über die Welt. Außerdem lernen sie, dass es viele unterschiedliche Menschen und Kulturen gibt“, sagt Kathrin Opitz, eine Erzieherin des Kinderhorts.
Dabei hatte sich Emmanuel eigentlich um einen Praktikumsplatz in einer Bank bemüht. Sein Wunsch ging aber nicht in Erfüllung, da seine Deutschkenntnisse noch nicht ausreichend sind. Zusammen mit Lehrer Rüdiger Pötzsch fragte er beim Wardenburger Kinderhort nach und wurde auf Anhieb mit Freude aufgenommen. Im Nachhinein ist der Austauschschüler sogar glücklich über diesen Praktikumsplatz.
Der Kolumbianer ist seit dem 24. Oktober 2014 in Deutschland. Er wohnt in Südmoslesfehn bei einer Gastfamilie und besucht die 10. Klasse des Graf-Anton-Günther-Gymnasiums in Oldenburg. Alle Zehntklässler dieser Schule absolvieren zurzeit ein Praktikum. „Die Leute in meiner Schule sind nett, aber auch sehr ruhig und nicht so offen. Wenn Austauschschüler nach Kolumbien kommen, wollen alle mit ihnen reden und sie kennenlernen“, erzählt Emmanuel. Er habe aber nach einiger Zeit Freunde gefunden und fühle sich inzwischen sehr wohl.
In seiner Heimatstadt Cali geht er auf eine Waldorfschule, die ein wenig anders sei als das deutsche Gymnasium. An seiner Schule gebe es mehr Fächer wie Theater, Musik und Kunst, erzählt er. Doch auch die deutsche Schule gefalle ihm sehr gut, da sie viel besser ausgestattet sei, vor allem im Bereich der naturwissenschaftlichen Fächer. Auch die Kultur und vor allem die Menschen, die er bisher hier kennengelernt hat, unterscheiden sich von seinen Bekannten aus Kolumbien.
Obwohl er seit einigen Monaten in Deutschland lebt, sind ihm noch viele Dinge neu: zum Beispiel, dass Karneval mitunter schon im Februar gefeiert wird. Er war ganz überrascht, als die Kinder am Rosenmontag mit Kostümen in den Hort kamen.
Auch an den Winter hier in Deutschland kann sich Emmanuel noch nicht gewöhnen. In seiner Heimatstadt sind das ganze Jahr über Temperaturen um 28 Grad. Er freut sich aber schon auf den Sommer, denn er wird noch bis zum 20. Juli in Deutschland bleiben. Da er bis jetzt nur in Bremen und in Köln war, hofft Emmanuel, bis zu seiner Abreise noch viel von Deutschland sehen zu können. Die Kinder aus dem Hort haben sicherlich noch den ein oder anderen Tipp parat.
