Jever - Die Kraftfahrzeug-Ausbildungswerkstatt der Berufsbildenden Schulen Jever freut sich über ein nagelneues Übungsfahrzeug: Es handelt sich um einen Golf GTI, Baujahr 2015 – und das Besondere daran sind nicht die stimmigen Abgaswerte.
Der Wagen – ein Benziner mit 2,0 Litern und Direkteinspritzung – wurde so aufbereitet, dass die gesamte Fahrzeugelektronik offen liegt. Und das ist eine ganze Menge: Neben den standardmäßigen elektrischen Fensterhebern und Seitenspiegeln, Zentralverriegelung und Sitzverstellung gehören dazu auch die Sitzsensoren, die dem Fahrzeug melden, ob der Sitz belegt wird und der Airbag im Fall des Falles ausgelöst werden oder die Anschnallerinnerung piepen muss.
„Und das Fahrzeug verfügt natürlich über moderne Bus-Technik“, freut sich Jürgen Ritter, Teamleiter der Kfz-Werkstatt. Das Bus-System dient der digitalen Datenübermittlung, ist meistens ins Autoradio integriert und meldet, wo das Fahrzeug unterwegs ist – zum Beispiel bei Unfällen.
Dass die Elektronik offen liegt, ermöglicht den Auszubildenden an den BBS nicht nur, sich mit Fahrzeugelektronik vertraut zu machen, sondern dient auch der Fehlersuche.
„Das Auto ist mit einer Fehlerbox ausgestattet, über die wir 20 verschiedene Fehler schalten können“, sagt Ritter: Aufgabe der Azubis ist künftig, mit Hilfe von Diagnosegeräten den Grund für einen Ausfall herauszufinden. „Wenn zum Beispiel der Motor nicht anspringt, gibt das Diagnosegerät den Fehlerpfad an – etwa, dass die Kraftstoffzufuhr nicht funktioniert. Mehr aber auch nicht“, erklärt Ritter. Dann muss von Hand die genaue Fehlerquelle ermittelt werden – eine der künftigen Aufgaben der Auszubildenden. Die sind übrigens schon heiß darauf, mit dem Fahrzeug zu arbeiten – für sie ist das etwas ganz neues.
Auch Axel Uphoff, Abteilungsleiter Technik an den BBS, Eike Strohmann, Obermeister der Kfz-Innung Wilhelmshaven-Friesland, und Siegmund Netcel vom Förderverein der Schule schauten sich den Wagen am Mittwoch ganz genau an.
Finanziert hat ihn der Landkreis Friesland. Rund 12 000 Euro hat er gekostet. „Ursprünglich wollten wir ein Hybrid-Fahrzeug haben – aber das werden wir nun auf anderem Weg beschaffen“, sagt Schulleiter Jan Zimmermann. Auch er ist begeistert von den neuen Möglichkeiten in der Ausbildung, die sich durch den Übungs-Golf nun ergeben.
