Jever - Ein gebrochener Arm und kaputte Finger, Krankenhausaufenthalt und Operationen – die „unschönen Vorkommnisse“, aufgrund derer der Abistreich am Mariengymnasium am Mittwoch abgesagt wurde, waren doch etwas drastischer: Ein Abiturient liegt in der Klinik.
Es war am Dienstagabend, als die Abiturienten in der Schule mit ihren Lehrern feierten. Dabei war ein Schüler auf das Dach der Pausenhalle geklettert und durch ein Oberlicht gestürzt. Schulleiter Frank Timmermann hatte den Abischerz am nächsten Morgen abgesagt – und damit den Abijahrgang teilweise gegen sich aufgebracht.
„Die Reaktion der Schulleitung finde ich mehr als überzogen“, sagt etwa Kai Ulferts. „Klar, eine Strafe muss sein. Aber muss dafür gleich der gesamte Jahrgang bestraft werden, indem wir auf unseren Abistreich verzichten müssen?“
Und mehr noch: „Die Schüler der jüngeren Jahrgänge freuten sich schon lange auf diesen Tag, an dem zumindest einmal im Jahr die Lehrer ihr Fett wegbekommen und sich beweisen müssen. Ihnen wurde somit auch eine große Freude genommen, obwohl sie – wie die überwiegende Mehrheit unseres Jahrgangs – rein gar nicht mit den Geschehnissen vom Dienstag zu tun hatten“, sagt Kai Ulferts.
„Aufsicht fehlte“
Seiner Ansicht nach wären die „unschönen Vorkommnisse“ sehr einfach zu vermeiden gewesen: Statt die gesamte Schule für das Grillen mit den Lehrern geöffnet zu halten, hätte es ausgereicht, wenn nur die Mensa zugänglich gewesen wäre, sagt der Abiturient. „So hatte jeder die Möglichkeit, nahezu jeden Raum der Schule zu betreten. Dass das in Kombination mit Alkohol nicht gut endet, hätte absehbar sein müssen.“ Timmermann hatte berichtet, dass ein Klassenraum „in einen Saustall“ verwandelt worden sei.
Nach Ansicht von Kai Ulferts hat es schlicht an Aufsicht gefehlt. „Klar ist, wir hatten Spaß mit unseren Lehrern. Allerdings waren die meisten davon um 22 Uhr, als ich ging, verschwunden“, berichtet Kai Ulferts. Wäre das anders gewesen, „wäre es weder zum Sturz vom Dach der Pausenhalle, noch zu einem beschädigtem Klassenraum gekommen“, meint er.
Verärgerung über einen „Saustall“ beim Abischerz hat es am Mariengymnasium schon einmal gegeben: 2012 hatten die Abiturienten die Pausenhalle mit Stroh und Mist gefüllt. Eigentlich war damals ein fröhlicher Streich im Dschungel-Camp-Stil geplant. Doch dann war der Streich aus dem Ruder gelaufen, als auch noch zahlreiche Wasserpistolen zum Einsatz kamen.
Zweimal in fünf Jahren
Die Schulleitung war stinkesauer und verdonnerte die Abiturienten zum Saubermachen – auch bei der Abiverabschiedung war der Streich dann noch Thema gewesen.
Zweimal „Saustall“ in fünf Jahren: Das fällt übrigens genau aufs erste und letzte Jahr von Frank Timmermann als Schulleiter. Er wird das Mariengymnasium im Spätsommer verlassen und wechselt als Dezernent für Inklusion an die Landesschulbehörde.
