Ganderkesee - Luka ist begeistert: „Wir können frei arbeiten. Das ist besser als Frontalunterricht“, sagt der 15-jährige Gymnasiast. Und Mitschülerin Pia (16) ergänzt: „Ich kann viel kreativer arbeiten.“ Digitaler Geschichtsunterricht steht seit kurzer Zeit auf dem Stundenplan der Klasse 10d am Gymnasiums Ganderkesee. Als erste Klasse der Schule kann die 10d mit Tablet-PC arbeiten.

Auf Initiative von Geschichtslehrer Marian Münch nehmen die 24 Schülerinnen und Schüler am bundesweiten Wettbewerb zur digitalen Schule „Ideen bewegen“ teil. Insgesamt 100 Schulen hatten sich zum ersten Halbjahr 2014/2015 beworben. Das Gymnasium Ganderkesee ist eine von 40 Schulen, die ausgewählt wurden. Ein digitales Klassenzimmer – Tablets für Lehrer und Schüler, ein interaktiver Großbildschirm sowie weiteres Zubehör – wird für den Projektzeitraum zur Verfügung gestellt. Bis zum 8. Januar müssen die Beiträge abgegeben werden. Mit etwas Glück kann die Schule eine Ausstattung im Wert von 20 000 Euro gewinnen.

Die 10d nimmt mit dem Projekt „Tutorialvideos zu Methoden im Geschichtsunterricht“ am Wettbewerb teil. Dabei sollen die Schüler Videoleitfäden entwickeln, die zum Beispiel erklären, wie historische Reden, Plakate oder andere Quellen analysiert werden, erklärt Münch. Derzeit ist die NS-Zeit Thema im Unterricht. Da wäre die Interpretation zeitgenössischer Karikaturen oder die Auswertung von Statistiken ohnehin an der Reihe gewesen. Auch die Präsentation eines Videos gehöre zum Stoff. Die Jugendlichen scannen oder fotografieren Materialien, markieren sie digital und fügen Kommentare ein. Die Videos, wie sie auch auf Portalen wie „You Tube“ zu sehen sind, sollen später über das Netzwerk des Gymnasiums allen Schülern zugänglich gemacht werden.

Für den Umgang mit den Tablet-PC wurde eine Benutzerordnung erstellt. So können die Jugendlichen die Geräte mit nach Hause nehmen. Auch andere Lehrkräfte testen bereits die Tablet-PC – so Daniela Ernst mit der 6a im Mathematik-Unterricht oder Lehrer Christoph Bauer mit der 10a im Fach Politik.

„Der Unterricht wird individueller“, hat Geschichtslehrer Münch bereits festgestellt. Dank digitaler Technik werde es möglich, Bilder größer zu zoomen und Details zu besprechen. Einige Apps habe er zu Beginn den Schülern vorgestellt. Mehr musste Münch nicht erklären: „Die meisten Schüler waren an dem Gerät fitter als ich.“

Stefan Idel
Stefan Idel Landespolitischer Korrespondent