Ganderkesee - Es ist schon eine kleine Wunderwelt, die Willi Albers als Projektleiter an seinem Projektstandort in einem Jahr geschaffen hat. Am 1. Februar 2016 eröffnete die Ländliche Erwachsenenbildung (LEB) in Ganderkesee einen neuen Werkstattbereich. In mittlerweile fünf Abteilungen werden hier Langzeitarbeitslose geschult. Insgesamt drei Mitarbeiter kümmern sich neben Willi Albers um den täglichen Ablauf. „Wir denken uns immer wieder neue Projekte aus“, so der Werkstattleiter.
Das Projekt
Am Standort Ganderkesee in der Schulze-Delitzsch-Straße hat die LEB Platz für 30 Teilnehmer. Das Werkstattprojekt ist ein so genanntes Arbeitsgelegenheits-Projekt (AGH-Projekt), speziell zugeschnitten auf Langzeitarbeitslose. Die Teilnehmer, die in der Regel sechs Monate bis ein Jahr in der Werkstatt beschäftigt sind und aus dem ganzen Landkreis kommen, sollen wieder oder auch zum ersten Mal an einen strukturierten Tagesablauf gewöhnt werden. Aber die Aufgaben gehen noch darüber hinaus: „Es geht auch häufig darum, dass die Teilnehmer wieder Selbstbewusstsein aufbauen“, erklärt Willi Albers. Wenn es auch ohne die so genannten Anleiter läuft, arbeiten die Teilnehmer eigenverantwortlich. So konnten seit dem Start bereits viele Projekte umgesetzt werden. In den Räumen im Gewerbegebiet Westtangente finden sich die Arbeitsbereiche Holz, Medien, Garten, Technik und Textil. „Wir versuchen, jeden Teilnehmer nach individuellen Fähigkeiten einzusetzen“, so Albers.
Die Holzwerkstatt
In der Holzwerkstatt stellen die Teilnehmer vornehmlich Möbel für die eigene Werkstatt her: Regale, Schließfächer und was sonst noch so gebraucht wird. Aber auch ein Umzugsservice, der zum Beispiel im Auftrag der Gemeinden in der Flüchtlingsarbeit eingesetzt wird, ist hier angesiedelt. Mit den anderen Werkstattbereichen wird regelmäßig zusammengearbeitet, auch das gehört zum Konzept des Standorts. So bauen einige Teilnehmer gerade einen Spieltisch für eine Scrabble-Version für Altenheime mit besonders großen Buchstaben – eine Idee der Medienwerkstatt.
Die Medienwerkstatt
Hier dreht sich fast alles um die Spieleentwicklung. „Von der Idee bis hin zur Herstellung der Spielmaterialien erledigen wir hier fast alles in Eigenarbeit“, erklärt Michael Steinert, einer der Anleiter aus dem Team von Willi Albers. Entstanden sind so schon ein Sprachlern-Kartenspiel für den Arbeitskreis Flüchtlinge oder ein Spiel über Schulden, welches bei der Schuldnerberatung zum Einsatz kommt.
Die Textilwerkstatt
Ein Leihbereich für Babykleidung ist wohl der bekannteste Teil der Textilwerkstatt. Hier können Menschen alte Babykleidung abgeben, die repariert und gereinigt und dann an Menschen mit geringem Einkommen ausgeliehen wird. „Babys wachsen schnell, wenn die Kleider zu klein sind, tauscht man sie einfach gegen die nächste Größe“, erklärt Jana Grüning, die als Anleiterin im Textilbereich tätig ist. Darüber hinaus stellen die Teilnehmer aber auch Taschen her oder ganz neu im Programm: Schlafdecken für Obdachlose – aus alten Plastiktüten. „Uns sind nur gerade die Plastiktüten ausgegangen“, so Grüning.
Technik und Garten
Während die Gartenwerkstatt aufgrund der Witterung gerade etwas brach liegt, ist die Technikwerkstatt eigentlich immer beschäftigt. Hier werden vor allem Fahrräder repariert. „An die 300 im vergangenen Jahr“, weiß Willi Albers. Viele kämen vom Arbeitskreis Flüchtlinge, andere seien Spenden, die dann wieder fit gemacht und gegen einen geringen Betrag an Menschen mit geringem Einkommen weitergegeben werden.
