KREYENBRüCK - Als Wazhmah Rahman nach Oldenburg gebracht wurde, krümmte sie sich vor Schmerzen. Laufen konnte sie nicht mehr, sondern kauerte im Rollstuhl. Als Dr. Jo Kanders von der Ärzteinitiative Dr. Landzettel/Dr. Kanders das Mädchen in Frankfurt vom Flughafen abholte, war sie von der Hüfte an gelähmt. Eine langwierige Leidensgeschichte ging voraus. Dass Wazhmah nun wieder lachen kann, verdankt sie Oldenburger Ärzten. In der Elisabeth-Kinderklinik war sie in den vergangenen Jahren schon mehrmals operiert worden. „Humanitäres Engagement darf sich nicht einschränken lassen“, sagt Klinikleiter Professor Hermann Müller, „egal – was es kostet und wie lange es dauert.“
Die junge Afghanin war erstmals 2002 nach Deutschland gebracht worden: Ein Hirntumor hatte dazu geführt, dass sie auf einem Auge erblindet war. Eine dramatische Bauchinfektion erschwerte die Operation damals zusätzlich. 2005 klagte das Mädchen, das mit sieben Geschwistern und den Eltern in Kundus lebt, wieder über starke Kopfschmerzen. Diagnose: ein weiterer Tumor, wieder musste operiert werden. 2006 wurde das Mädchen noch einmal von der Ärzteinitiative nach Deutschland geholt. Doch Professor Müller konnte Entwarnung geben, alles war okay.
Noch heute ist Kanders empört, dass die Hilfsorganisation „Kinder brauchen uns“, deren Vorsitzender inzwischen nach Vorwürfen wegen unrechtmäßig geführter Titel zurückgetreten ist, Wazhmah 2007 nach Deutschland brachte und sie Kanders Aussagen zufolge nicht adäquat behandelt wurde.
Als sie 2008 wieder über Schmerzen klagte und die Beine bereits gelähmt waren, kam sie Ende Juni wieder ins Kinderkrankenhaus. „Sie war völlig apathisch und hatte keinen Lebensmut mehr“, erinnert sich Stationsleiterin Margrit Gillerke. Das Mädchen musste kurz darauf in die Isolierstation, da Professor Müller bei einer gründlichen Untersuchung eine Tuberkulose entdeckte, die sich nicht zuletzt in einem großen Geschwür nahe des Rückgrats im Körper angesiedelt hatte. „Dadurch wurde die Lähmung ausgelöst“, erläutert der Mediziner. Professor Müller bat die Kollegen der Kinderneurochirurgie des Evangelischen Krankenhauses um Professor Niels Sörensen um Unterstützung. Neun Stunden lang wurde die 16-Jährige von Dr. Frerk Meyer, Chefarzt für Neurochirurgie im Evangelischen und Wirbelsäulenspezialist, operiert. Hinzugezogen wurde Dr. Douglas Scriba, Leitender Arzt für Thoraxchirurgie im Pius.
Diese unkomplizierte Zusammenarbeit der Oldenburger Kliniken und deren Spezialisten halfen dem Mädchen auf die Beine. Nun muss sie wieder laufen lernen. Allerdings fehlt die Finanzierung. Die Oldenburger Kliniken verstehen ihren Einsatz als humanitäre Hilfeleistung. Die Kosten für die Krankentransporte übernahmen die Ärzteinitiative und der Verein für Afghanistanförderung. Nun muss Wazhmah mindestens zwei Monate in die Reha.
Wer helfen möchte, kann sich mit Dr. Kanders unter Tel. 04221/1 23 09 38 oder jokanders@t-online.de in Verbindung setzen.
