KREYENBRüCK - Das Trassierband ist gespannt. Die Schüler der Klasse 3a der Klingenbergschule in Kreyenbrück stehen hinter der Absperrung. Dort befindet sich auch eine Laterne. Doch als die neunjährige Lisa und ihre Freundin Jule in die Fahrerkabine des Lkw steigen, der an diesem Mittwochvormittag auf dem Schulhof parkt, und einen Blick in den Seitenspiegel werfen, verschwinden sowohl die Schüler als auch die Laterne von Zauberhand. „Ich hätte nicht gedacht, dass man die ganze Klasse nicht mehr sieht“, meint Lisa denn auch überrascht.
Zu sehen ist nur noch Andreas Dombrowski vom Round Table 14 Oldenburg, der den Drittklässlern das Phänomen „toter Winkel“ erläutert. Ihm zur Seite stehen Marcus Buss, Christian Hilbers, Gunnar Hirsch und Geert Stadtlander.
„Wir wollen ein Gefahrenthema erlebbar machen“, sagt Buss und deshalb will der Round Table allen Oldenburger Grundschulen einen Besuch abstatten und Dritt- und Viertklässler über die Unfallursache „toter Winkel“ aufklären. „In den meisten Schulen erhalten die Kinder erst ab der dritten Klasse die Freiheit, alleine mit dem Rad zum Unterricht zu fahren“, begründet Buss die Entscheidung, sich erst an diese Altersklasse zu wenden.
Der Hintergrund: „Immer wieder kommt es durch rechts abbiegende Lkw zu tragischen Unfällen, da Radfahrer und Fußgänger durch den toten Winkel übersehen werden. Diese Unfälle zählen zu den schwersten im Straßenverkehr, da die Opfer kaum eine Chance haben“, schreibt der Round Table in einer Informationsbroschüre. Gefahr besteht überdies bei stehenden Fahrzeugen, so dass nicht nur auf der Beifahrerseite, sondern auch vor dem Fahrzeug ein „toter Winkel“ existiert.
„Wir passen jetzt besser auf“, versichern die beiden neunjährigen Timothy und Finley, als sie aus der Fahrerkabine klettern. Ihr achtjähriger Freund Alex stimmt aus gutem Grund zu: „Ich wurde schon von einem Taxi angefahren. Zum Glück hatte ich nur eine Prellung.“
Vertretungslehrerin Antje Labunde findet es denn auch „wichtig, die Kinder für das Thema zu sensibilisieren“. Schließlich markiert im Straßenverkehr kein Trassierband den „toten Winkel“.
