Friesoythe - Das Lob kam aus berufenem Munde: Dompropst Kurt Schulte sagte anlässlich seines Auftritts in Friesoythe, durch den Unterricht am Albertus-Magnus-Gymnasium habe er vor allem eigenständiges kritisches Denken gelernt – eine Basis, von der er noch heute profitiere. Unterrichtet worden ist Kurt Schulte auch von Hartmud Liebig. Und der hat offenbar schon früh eine Begabung bei Schulte festgestellt. Denn an den Rand seiner ersten Leistungskursus-Klausur hatte Hartmud Liebig geschrieben „Bitte keine Predigt!“, berichtete der Dompropst jüngst auf dem Akademieabend.

Seit elf Jahren findet der Akademieabend auf Einladung des Albertus-Magnus-Gymnasiums in Kooperation mit dem Kulturkreis Bösel-Saterland-Friesoythe nunmehr statt. Und seit Anbeginn organisiert diesen Abend Hartmud Liebig, der in diesem Sommer in den Ruhestand verabschiedet worden ist. „Er verfügt über ungeheuer viele Kontakte“, lobte der neue Schulleiter des AMG, Peter Stelter, im Gespräch mit der NWZ. Und auf die möchte der Schulleiter trotz der Pensionierung des ehemaligen Erdkunde- und Politik- sowie Werte- und Normen-Lehrers nicht verzichten. So wird Liebig den Akademieabend wohl auch im kommenden Jahr organisieren.

38,5 Jahre lang hatte Liebig als Lehrer am AMG gearbeitet. Seinen Beruf habe er immer gerne ausgeübt. Die Bitte, einen Akademieabend zu organisieren, hatte der ehemalige Schulleiter Reinhard Woltermann an ihn herangetragen. Seither bemüht sich Hartmud Liebig in jedem Jahr, einen ehemaligen Schüler zurück ans AMG zu holen, der über Aspekte seines Berufes berichtet: so wie zuletzt Kurt Schulte, Dompropst zu Münster. Im Jahr zuvor hatte Dr. Martin Koziolek, Oberstaatsanwalt in Oldenburg, über „Internationale Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Oldenburg und des Zollfahndungsamtes Hannover gegen das organisierte Verbrechen“ referiert, davor sprachen der Chemiker und Professor Dr. rer. nat. Martin Kreyenschmidt und die Lebensmitteltechnologin Priv.-Doz. Dr. Ing. Judith Kreyenschmidt über „Verbraucherschutz und Nachhaltigkeit durch aktive und intelligente Lebensmittelverpackungssysteme“. Ein Höhepunkt war auch 2008 der Vortrag über Herausforderungen an Unternehmer und Manager in der heutigen Zeit von Gerhard Berssenbrügge, Vorstandsvorsitzender der Nestlé Deutschland AG, der 1973 am AMG sein Abitur gemacht hatte.

Die Themen, die auf den Akademieabenden geboten werden, sind zwar durch die Berufe der Schüler begründet, gleichwohl spannend und vielfältig. Und alle, die da gewesen seien, hätten sich begeistert gezeigt, berichtete Liebig. Allerdings würde er sich wünschen, dass der Abend bei den aktuellen Schülern auf größere Resonanz stoßen würde.

1977 war Liebig gemeinsam mit seiner Frau nach Friesoythe gezogen, die auch am AMG unterrichtet – „in eine andere Welt“, wie der Pädagoge sich erinnert. Die Rahmenbedingungen seien völlig anders gewesen. Hartmud Liebig ist kein Verfechter des Gestrigen, gleichwohl kritisiert er das Streben nach einer immer höheren Abiturientenquote. „Eine hohe Quote kann doch nicht alleiniger Maßstab sein. Die Qualität muss doch entscheidend sein.“ Diese Schieflage hält er für nicht gesund, geradewegs schädlich, um in der Globalisierung zu bestehen – ebenso wie die zunehmende Bürokratisierung der Schule.