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Soziales Sie machen sich gern die Hände schmutzig


Zusammen stark: In Gemeinschaftsarbeit  wurde der Garten am Trauerland-Haus angelegt.
Susanne Gloger

Zusammen stark: In Gemeinschaftsarbeit wurde der Garten am Trauerland-Haus angelegt.

Susanne Gloger

Krusenbusch - In Krisenzeiten, wenn die seelische Not groß ist, dann finden Familien hier professionelle Begleitung. Hilfe brauchte der Verein Trauerland, der mit seinem Oldenburger Zentrum für trauernde Kinder und Jugendliche vom Deelweg in Nadorst nach Krusenbusch gezogen ist, nun auch selber. Er hat sie bekommen. Auf eine Weise, die es so noch nicht in Oldenburg gab.

Die Vorgeschichte: Im Oktober vergangenen Jahres hat sich Trauerland in dem Privathaus am Beentweg 36 a eingerichtet. Zur Miete „wohnt“ der Verein, der seinen Hauptsitz in Bremen hat, im Erdgeschoss. Im Dezember 2017 wurde die Arbeit aufgenommen. Zwei Gruppen mit Kindern im Alter von drei bis elf Jahren, die den Tod eines ihnen nahestehenden Menschen verkraften müssen, werden hier zurzeit betreut. Kapazitäten gibt es auch für eine Jugendgruppe.

Auf Hilfe angewiesen

Das Domizil ist innen schmuck. „Es wurde mit Hilfe von Spenden und mit tatkräftiger Unterstützung von Ehrenamtlichen möbliert und renoviert“, erzählt Corinna Wermke, hauptamtliche Mitarbeiterin am Standort Oldenburg und dort fürs Fundraising sowie die Öffentlichkeitsarbeit zuständig. Trauerland finanziere sich ohnehin zu 95 Prozent aus Spenden.

Drinnen ist es also schon „hui“, doch draußen noch „pfui“. „Der Garten am Haus war verwildert. Wir wollen ihn aber gern für die Kindern und Jugendlichen aus den Trauergruppen zugänglich machen. Als eine grüne Spiel- und Rückzugsoase“, sagt Wermke und handelte clever. Auf ihrem Weg zur Arbeit kommt sie nämlich an der Firma Floragard im Gewerbegebiet Tweelbäke vorbei. Die verkauft bekanntlich Blumenerden und Substrate für Hobby-Gärtner und Profis. „Da könnte man doch mal um Hilfe bitten“, hat sich die Fachfrau für die Öffentlichkeitsarbeit gesagt.

Sie stieß auf offene Ohren. Von Floragard gab es zunächst Samen und Erde für den Rasen. Der Garten- und Landschaftsgärtner Kaiser aus Wardenburg rückte dann mit vier Personen an zwei Arbeitstagen an, um den Garten umzugraben und den Rasen zu säen. „Und danach sah es irgendwie immer noch aus wie ein unvollendetes Projekt“, beschreibt Christian Mauke, Leiter der Öffentlichkeitsarbeit bei Floragard. Da musste einfach mehr passieren, befand man und holte auch noch die Osternburger Gärtnerei Blumen Cordes mit in den Garten. Die spendete zahlreiche Pflanzen. Es wurden Arbeitsgeräte und weitere Materialien zur Verfügung gestellt. „Ein ganzes Netzwerk von Unterstützern hatte Floragard organisiert“, so Corinna Wermke, „doch die Krönung kam dann erst noch.“

Denn mit den Sachspenden ließ das Oldenburger Unternehmen den Verein Trauerland nicht etwa allein: Am Donnerstag rückten 17 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Floragard am Beent­weg an, um die Pflanzen in den Boden zu bringen. „Vom Vertriebsleiter bis zum Auszubildenden ist hier alles vertreten“, erklärte Christian Mauke, der anstatt zur Computermaus an diesem Arbeitstag auch zum Spaten griff.

Krumm gemacht

Wer hier nun Boss oder Lehrling ist, war nicht zu erkennen. Alle machten sich gern die Hände dreckig, den Rücken krumm und schwitzten – nicht für ihren Arbeitgeber, sondern unentgeltlich für Trauerland. Ehrenamtliche des Vereins packten ebenfalls mit an. Mittags kam auch Beate Alefeld-Gerges aus Bremen. Sie hat den Verein im Jahr 1999 gegründet, der schon mehrfach ausgezeichnet wurde. Im vergangenen Jahr bekam Alefeld-Gerges das Bundesverdienstkreuz.

Am späten Nachmittag war die Arbeit getan. Und als auch die letzte Grillwurst verspeist war, ging man auseinander – und fühlt sich nun auf besondere Weise verbunden. Winfried Richert, ein Ehrenamtlicher von Trauerland, hatte sogar noch eine zukunftsträchtige Idee: „Sie könnten doch einen jährlichen Sozialtag einführen und uns dann bei der Gartenpflege helfen“, sagte er augenzwinkernd zu Christian Mauke.

Nun ist es also auch draußen „hui“ beim Oldenburger Trauerland-Standort. Somit gibt es für die trauernden Kinder und Jugendlichen künftig einen weiteren „Raum“ für ihre Emotionen. Drinnen sind es der Gruppen-, der Tobe-, der Ruhe- und der Kreativraum. Die erwachsenen Angehörigen der Kinder ziehen sich derweil zurück. „Sie dürfen auch in den Garten. Aber nur, wenn die Kinder in der Gruppe sind“, erklärt Corinna Wermke das Prinzip.

Kontakt zu Trauerland unter t 920 580 20 oder info-oldenburg@trauerland.org.

Susanne Gloger
Susanne Gloger Redaktion Oldenburg
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