Hausverbot für den Abiturjahrgang (Ð  vom 22. März) und Leserbrief von Uwe Haars zu dem Thema (Ð  vom 23. März: „Souveräne Schulleitung stelle ich mir anders vor“). Sebastian D. Wegener ist Studienrat am Gymnasium Nordenham.

Empörend! Da schreitet ein Schulleiter bei einem fragwürdigen Fehlverhalten seiner (zumindest Noch-) Schüler ein, und Außenstehende springen sofort in die Bresche, sehen Recht, Freiheit und gute Gewohnheit bedroht. Recht so, möchte man ausrufen! Endlich mal jemand, der sich für die zu Unrecht gemaßregelten Pennäler einsetzt und sich dem bürokratischen Popanz entgegenstellt. Kopfschütteln allerwegen – was sind dort am Gymnasium nur für zwielichtige Gestalten am Werke, von Pädagogen möchte man hier ja am liebsten gar nicht sprechen. Ein Abgrund!

Erlauben Sie, dass ich im Duden nachschlage: Abi|tur, das: [zu lat. abiturire, ?Abiturient]: Reifeprüfung an einer höheren Schule. Reifeprüfung also. Vielleicht also sollte man sich dessen erinnern, wenn man über die Ereignisse des Montags reflektiert. Stellen Sie sich mal die hypothetische Schlagzeile am Dienstag vor „Betrunkene Abiturienten belästigen Passanten“. Oder „Schüler geschockt: Erbrochenes in der Pausenhalle“. Auch schön wäre: „Vorbilder? Leere Wodkaflaschen in der Mensa“.

In der Tat, dann hätte die ganze Stadt sich sicher voller Verständnis über das „Sau rauslassen“ am letzten Schultag geäußert. Niemand hätte Anstoß daran genommen, dass zwölfjährige Siebtklässler sich die lallenden und torkelnden Abiturienten als coole Vorbilder eingeprägt hätten. Natürlich kann man auch von auf dem Fahrrad die Schule querenden Rentnern verlangen, dass sie gefälligst vor der Schule absteigen und auf die grölende Schar Rücksicht nehmen, schließlich haben die Schüler ja jahrelang an der Schule leiden müssen. Wie kann ein Schulleiter nur so vermessen sein, da einzuschreiten!

Vorzuwerfen wäre der Schule meiner Ansicht nach höchstens, dass sie den Abiturienten nicht früher klargemacht hat, wo die Grenzen des Angemessenen liegen. Denn böse Zungen behaupten, dass nicht erst am Montag der erste Alkohol in der Schule getrunken worden ist.

Auch muss der Abiturjahrgang sich den Vorwurf gefallen lassen, dass seine Vorgänger geschickter im Verstecken der angetrunkenen Schüler in der Menge des Jahrgangs gewesen sind: So auffällig alkohollastig war ein letzter Schultag bisher nicht!

Leid tut mir die ganze Angelegenheit für die überwiegende Mehrheit des Abiturjahrgangs, die sich an den Exzessen nicht beteiligt hat und auf deren Rücken diese Querelen nun ausgetragen werden.

Schade nur, dass wie so oft das Fehlverhalten einer Minderheit das Bild der Mehrheit prägt. Das ist der eigentliche Skandal. Trotzdem: Alles Gute für die Prüfungen!

Sebastian D. Wegener, Brake