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Berufsausbildung Plattdeutsch: Manchmal reichen schon ein paar Worte

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LANDKREIS - „Meine Muttersprache ist Plattdeutsch“, sagt Hella Einemann-Gräbert, Fachlehrerin im Bereich Altenpflege. „Hochdeutsch habe ich erst auf der Schule gelernt.“ Was lag da näher, als den Fachunterricht in der niederdeutschen Sprache abzuhalten? Die Idee fiel bei den zwölf Schülerinnen und Schülern der Berufsschulklasse Altenpflege (B7L1) in Wildeshausen auf fruchtbaren Boden – auch wenn gut ein Drittel noch ohne Vorkenntnisse „up Platt“ war.

Eine von ihnen ist Stefanie Wunsch. „Ich bin hier erstmals mit Plattdeutsch konfrontiert worden“, erzählt die 26-jährige einstige Berlinerin. Bei ihrer Arbeit in einer Diepholzer Senioreneinrichtung kommen ihr die neu gewonnen Sprachkenntnisse sehr entgegen.

Platt schafft Vertrauen

Das kann Sylvia Hagelmann nur bestätigen. „Es gibt bei den Patienten gleich einen Vertrauensvorsprung“, sagt die 39-Jährige, die in Dötlingen mit Plattdeutsch aufgewachsen ist. „Manchmal reichen schon ein paar Worte“, ergänzt Kea Gundrum aus Oldenburg. Der Unterricht in Niederdeutsch habe die Freude am Erlernen einer Sprache neu geweckt. „Meine Tochter Lara-Marie ist an der Grundschule Dürerstraße mit Feuer und Flamme dabei“, sagt auch Mihaela Bädeker aus Ganderkesee.

Das Niederdeutsch helfe nicht nur Sprachbarrieren abzubauen. Gerade bei Gesprächen mit dementiell Erkrankten dienten Platt-Kenntnisse oft als „Türöffner“. Auch der Zugang zu Hochbetagten sei einfacher, weiß Einemann-Gräbert. Sie hat den Schülerinnen und Schülern zwei Stunden wöchentlich im Fachunterricht die Sprache näher gebracht – manchmal in spielerischer Art und Weise. Mit Gestik und Mimik sollten Unterrichtsinhalte wiederholt werden. Aufgrund der geringen Klassenstärke sei ein intensives Arbeitsklima möglich gewesen. „Wir haben auch viel gelacht“, zieht Einemann-Gräbert am Montag Bilanz nach einjähriger Projektphase. „Mein Lieblingswort ist jetzt Schloetel (Schlüssel)“, so Kevin Schröter (24), der aus dem Brandenburger Land stammt. Auf die Notengebung hätten die Plattdeutschkenntnisse keinen Einfluss gehabt, bestätigen die Schüler in einer Umfrage. „Einzelgespräche wurden am Ende des Unterrichts auf Hochdeutsch geführt“, erklärt Einemann-Gräbert.

Von „einer Sprache für die Pflege“ spricht auch Regina Frommeyer, Leiterin der Außenstelle St.-Peter-Straße an den BBS Wildeshausen. Sie würdigt das Engagement der Klasse. Alle zwölf Schüler haben sich dafür ausgesprochen, das Projekt fortzuführen.

Nachahmung empfohlen

Die Schule hofft, den „Sprachunterricht“ künftig mit einer externen Kraft fortführen zu können. Bei der Suche will Ernst-August Bode, Vizepräsident der Oldenburgischen Landschaft, gern behilflich sein. Er spricht von einem einmaligen Projekt in der Region. Andere Berufsschulen sollten ähnliche Angebote machen. Bei einem vom „Arbeitskreis Niederdeutsch“ geplanten Symposium sei Einemann-Gräbert nun die erste Ansprechpartnerin.

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