LANDKREIS - Mit Weihnachtsliedern und -wünschen, alle auf Plattdeutsch vorgetragen, erfreute die Klasse 2d der Wildeshauser Wallschule die Kreistagsabgeordneten. Diese bedankten sich mit kräftigen Applaus und Geschenken. Für den Kreistag selbst blieb nach einer mehr als eineinhalbstündigen Debatte über eine mögliche Integrierte Gesamtschule (IGS) in Harpstedt am Ende aber die Bescherung aus, wie CDU-Fraktionschef Hans-H. Hubmann feststellte.

Bei sechs Gegenstimmen (Eckhard Heinje, CDU, sowie die FDP-Vertreter) beauftragte der Kreistag am Dienstagabend die Kreisverwaltung, einen Antrag für eine vierzügige IGS zum Schuljahr 2011/12 bzw. 2012/13 vorzubereiten und dabei die Ausnahmeregelung „im Sinne des Entwurfs der Verordnung für die Errichtung, Aufhebung und Organisation von öffentlichen Schulen (VO-OrgS)“ vorzusehen. Der Antrag soll bei der Schulbehörde eingereicht werden, sobald die gesetzlichen Voraussetzungen vorliegen.

Landrat Frank Eger meinte, es mache wenig Sinn, über eine gesetzliche Voraussetzung zu diskutieren, die es noch nicht gebe. „Wir reden hier über ungelegte Eier.“ Er habe sogar eine Veranstaltung mit Lehrern absagen müssen, weil die Verordnung, die Ausnahmen bei der Zulassung einer IGS auf dem Land definiere soll, noch nicht vorlag.

Franz Duin (SPD) warb leidenschaftlich dafür, sich gemeinsam im Boot Eltern und Politik) in die Riemen zu legen. Noch werde die Fünfzügigkeit für die IGS gefordert. Notwendig sei die „Ausnahme von der Ausnahme“, da die nächst gelegene IGS im Landkreis (also in Wardenburg) von Harpstedt aus nicht innerhalb einer Stunde zu erreichen sei. Darauf wies auch Herwig Wöbse (CDU) hin: „Die IGS in Harpstedt hat eine Chance verdient.“ Die Politik in Hannover brauche ein starkes Signal aus dem Kreis.

Manfred Rebensburg (Grüne) appellierte an die FDP, ihre Haltung zu überdenken. „Es geht darum, die Schule im ländlichen Raum zu stärken.“ Das gehe nur mit der IGS. Bei FDP-Fraktionschef Ernst-August Bode verfingen die Argumente nicht. Er warnte vor „Klein-Klein“ und dem Absinken des Bildungsni­veaus. Eine IGS in Harpstedt gehe auch zu Lasten der Hauptschule und des Gymnasiums in Wildeshausen. Sein Fraktionskollege Niels-Christian Heins wies darauf hin, dass der Kreis Millionen in den Ausbau seiner Schulen gesteckt habe. Es könne nicht sein, dass nun überall gymnasiale Zweige entstünden und Gebäude leer stünden. Dies führe letztlich zu einer „Atomisierung der Schullandschaft“.

CDU-Mann Hubmann hatte zuvor ein Gesamtkonzept für die Bildungslandschaft im Landkreis Oldenburg angemahnt. Er riet, sich eingehend mit dem Konzept der neuen Oberschule zu befassen, die viele Chancen biete. Andreas Kowitz (SPD) meinte, die Oberstufe könne – beispielsweise in Bookholzberg – nur eine Übergangsform zur IGS sein. Otto Sackmann (UWG) lobte die Elterninitiative in Harpstedt. Er hoffe, dass sich etwas tue, denn die derzeitigen Hürden verbauten dem ländlichen Raum Chancen.

Stefan Idel
Stefan Idel Landespolitischer Korrespondent