LANDKREIS - Die Kreisverwaltung hat erneut vor der Einrichtung von Oberschulen mit Gymnasialzweig im Landkreis gewarnt. Landrat Frank Eger appellierte in der Sitzung des Kreistags an die Gemeinden, den Bestand des Schulsystems im Landkreis in den kommenden Jahren nicht zu gefährden. In den Gemeinden Hude und Ganderkesee sollen bereits zum nächsten Schuljahr Haupt- und Realschulen zu Oberschulen umgewandelt werden.
Das Niedersächsische Schulgesetz ist zum 15. März novelliert worden. Anschließend verlangte der Landkreistag eine Klarstellung bezüglich der Schulträgerschaft vor Ort für die neuen Oberschulen. Daraufhin habe das Kultusministerium erklärt, dass es sich um eine eigenständige Schulform handelt, so Eger. Das „Alleinstellungsmerkmal“ habe möglicherweise große Auswirkungen: Da letztlich der Elternwille maßgeblich sei, dürften alle Schüler aus dem Einzugsgebiet die Schule anwählen. Sollte beispielsweise Hude eine Oberschule mit Gymnasialzweig erhalten, dürften Kinder aus den Nachbargemeinden diese Schule besuchen. Auf den Landkreis als Träger der Schülerbeförderung kämen erneut erhebliche Belastungen zu.
„Gravierende Auswirkungen auf die Schullandschaft“ sagte der Landrat insbesondere für Ganderkesee voraus, falls in Hude, Bookholzberg und Delmenhorst Oberschulen eingerichtet werden. Die vom Schulgesetz geforderte Dreizügigkeit für das Gymnasium Ganderkesee wäre innerhalb von fünf Jahren gefährdet. Letztlich seien es zehn Schüler, die die Dreizügigkeit sicherten. Der Landrat wies darauf hin, dass die Hälfte aller Ganderkeseer Gymnasiasten aus dem Bereich Bookholzberg/Schierbrok/Heide kommen. Daher habe der „Dreiklang“ Hude/Bookholzberg/Ganderkesee besondere Bedeutung. Im schlimmsten Fall blute das Gymnasium Ganderkesee aus.
Die Kreisverwaltung sagte zu, weitere Informationen zu dem Thema zu besorgen. Eventuell steht am 12. Mai eine Sondersitzung des Kreisschulausschusses an. Eine Debatte zur Oberschule ließ die Tagesordnung des Kreistages nicht zu – sehr zum Bedauern mehrerer Abgeordneter. CDU-Fraktionschef Hans-H. Hubmann wies darauf hin, dass in einer neuen Verordnung die Schuleinzugsbereiche klar geregelt würden. Der Kreisverwaltung lag diese Verordnung auch am Mittwoch nicht vor. Andreas Kowitz (SPD) meinte, man dürfe das Schulzentrum in Bookholzberg auf keinen Fall aufgeben.
Schulamtsdirektor Klaus Kapell kritisierte am Mittwoch vor Behördenleitern im Kreishaus die Debatte. „Viele haben bereits eine Meinung, wissen aber gar nicht inhaltlich, was eine Oberschule ist.“ Ziel sei es unter anderem, Schülern mit Gymnasialempfehlung und jenen, die heute vom Gymnasium zurück zur Realschule müssen, bessere Perspektiven zu bieten.
