LANDKREIS - „Noch mehr Berufsorientierung? Es gibt doch schon so viel! Die Jugendlichen sollen lieber in der Schule etwas lernen!“ Mit Äußerungen dieser Art sieht sich Oliver Harms, Koordinator der Leitstelle „Region des Lernens – Landkreis Oldenburg“, häufiger konfrontiert. Die neuen „Berufsorientierungsmodule“ (BOM) hält er jedoch für ein wichtiges Instrument, um eine Berufsorientierung der Schüler weiter zu vertiefen.
Im ersten Schulhalbjahr nahmen sechs Hauptschulen des Landkreises Oldenburg an den Berufsorientierungsmodulen teil. Die Schüler aus den allgemein bildenden Schulen kamen für acht Tage ` sechs Unterrichtsstunden an die Berufsbildenden Schulen (BBS) in Wildeshausen.
BOM hat Brückenfunktion
In Folge vielfältiger Veränderungen auf dem Arbeits- und Ausbildungsmarkt hat sich auch die schulische Berufsorientierung (BO) verändert. Allein in Deutschland gibt es 349 anerkannte und als anerkannt geltende Ausbildungsberufe. Die Schulen sind mit den BO von einer faktenbezogenen Vorstellung einzelner Berufe weggegangen und möchten ihre Schüler dazu befähigen, eigenverantwortlich und kompetent Entscheidungen für den Übergang von der Schule in den Beruf zu treffen. BOM sind zusammengefasste Lerninhalte eines Berufsfeldes (z.B. Feinwerkmechaniker, Kfz-Mechatroniker, etc.) und knüpfen an die Rahmenrichtlinien der Hauptschule und den Ausbildungsrahmenplänen für das erste Ausbildungsjahr an.
Die BBS sind für viele Schüler der Abgangsklassen der allgemein bildenden Schulen die nächste Stufe. Hier hat das BOM eine Brückenfunktion. In den Werkstätten der BBS lernen Jugendliche erste praktische Erfahrungen mit der Berufswelt kennen. Die BBS bieten deshalb BOM aus den Bereichen Technik, Hauswirtschaft und Wirtschaft/Verwaltung an.
Um es vereinfacht dazustellen: Max Mustermann geht für einen Tag an die BBS und lernt, dass es durchaus nicht einfach ist, sechs bis acht Stunden auf den Beinen zu stehen, konzentriert und aufmerksam seine Arbeit zu verrichten. Zugleich bekommt er im praktischen Teil mit, welchen Bezug das Fach Mathematik hat. Denn wenn Max den Bereich Metalltechnik gewählt hat und von der Lehrkraft ein Stück Blech bekommt, um ein Werkstück daraus zu fertigen, muss er auch in der Lage sein seine Skizze, Werkstattzeichnung oder technische Zeichnung auf das Werkstück zu übertragen.
Praxisnaher Einblick
Und vielleicht wird Lisa Lustig feststellen, dass es gar nicht so lustig ist, acht Stunden vor dem PC zu sitzen und einen längeren Text zu verfassen. Auch wird ihr klar, dass man für das Erstellen von Tabellenkalkulationen mathematische Grundkenntnisse benötigt, um Formeln zu erstellen. Und schon ist das Office-Paket vielleicht doch mehr als nur ein Paket mit lauter „Leckereien“.
„Wenn wir erreichen, dass Jugendliche sich praxisnah und intensiv mit ihrem Berufswunsch auseinandersetzen und erste Einblicke erhalten, dann hat das BOM genau das erreicht, was wir erreichen wollen“, so Oliver Harms.
