Lastrup - „Wenn jemand wegen seiner verminderten Sehfähigkeit Angst hat, eine Straße zu überqueren, an Bordsteinkanten oder Bodenerhebungen manchmal stolpert, in der Dämmerung, im Dunklen oder bei Menschenmengen unsicher ist, dann sollte er eine Mobilitätsschulung machen“, rät Martina Kowalski, Integrationsbeauftragte der Gemeinde Lastrup.

„Wege, die früher keine Probleme bereitet haben, sind heute mit großen Anstrengungen verbunden“, weiß Kowalski aus eigenem Erleben von Unsicherheit bei Treppen. Betroffene haben oft Angst, allein die Wohnung zu verlassen, alte Bekannte werden nicht mehr erkannt oder an Ampeln werden die Lichtsignale nicht sicher unterschieden.

In einer Mobilitätsschulung vermittelt zum Beispiel Renate Talmann-Peters, Mobilitäts- und Orientierungstrainerin für Blinde und sehbehinderte Menschen, Strategien und Techniken, mit deren Hilfe alle Wege des täglichen Lebens sicherer, selbstständig und effektiv bewältigt werden können. Ein wichtiges Hilfsmittel ist der Langstock.

„Die Länge des Langstocks ist abhängig von der Körpergröße und der Schrittlänge des Benutzers. Am Ende befindet sich eine drehbare Spitze, mit deren Hilfe der Weg abgetastet wird. Der Langstock dient dazu, den Boden vor den Füßen abzufühlen, um Unebenheiten, Bordsteinkanten oder Abwärtsstufen rechtzeitig zu bemerken. Die Langstocktechniken erfordern Übung. Alle Techniken, die die Betroffenen benötigen, lernen Blinde und Sehbehinderte in meinem Unterricht. Auch Menschen mit verbliebenem Sehvermögen unterstützt er, so dass ein entspannteres Gehen die Folge ist“, so Talmann-Peters.

In der Regel betrage eine Schulung zwischen 20 und 40 Unterrichtsstunden. Neben dem Erlernen der Stocktechnik gelte es, den Langstock effektiv einzusetzen zum Beispiel bei der Orientierung im Gebäude, beim Verhalten im Straßenverkehr, beim Umgang mit Hindernissen, beim sicheren Umgang mit Kanten und Treppen, zur Mobilität im Dunkeln oder bei der Orientierung im Supermarkt.

In der Mobilitätsschulung, die immer rund um den Wohnort des Betroffenen stattfinde, das heißt, der Lehrer komme zum Schulungsteilnehmer, könnten dann auch konkrete Wege zum Arzt, zu Freunden, zu Nachbarn, zu Geschäften, zum Arbeitsplatz oder zur Schule eingeübt werden, da die Mobilitätsschulung immer als Einzelunterricht organisiert sei. Neben dem Gebrauch des Langstocks werde aber auch der Einsatz des verbliebenen Sehvermögens geschult und die Anwendung weiterer Hilfsmittel, wie zum Beispiel Monokular, Lupe oder Kompass geübt. Eine Mobilitätsschulung sei kostenlos.

Talmann-Peters und Kowalski raten allen Betroffenen, die sich aufgrund ihres herabgesetzten oder fehlenden Sehens nicht mehr sicher im Straßenverkehr bewegen können, Vorsorge zu treffen, um gut sichtbar zu sein. „Nur bei ausreichender Kennzeichnung kann erwartet werden, dass andere Verkehrsteilnehmer in erhöhtem Maße Rücksicht nehmen“, so Talmann-Peters und Kowalski.

Martina Kowalski leitet in Lastrup einen Gesprächskreis für blinde und sehbehinderte Menschen und deren Angehörige, der sich jeden dritten Montag im Monat im katholischen Pfarrheim in Lastrup von 14.30 Uhr bis 16.30 Uhr trifft. Anmeldungen nimmt sie unter Tel. 04472/ 8590 entgegen.