Ganspe - Für drei Wochen hospitiert Sportlehrerin Raquel Xiomara Martinez aus Guatemala an der Grundschule Ganspe. „Dem Projekt wurde im Kollegium begeistert zugestimmt“, freute sich Rektorin Andrea Selke. Auch eine Bleibe war schnell organisiert. Bei Musiklehrerin Marlies Ullrich ist die aus El Salvador stammende Pädagogin zu Gast und sorgt nicht nur dort für lateinamerikanisches Lebensgefühl.
Während die Gansper Schüler im Unterricht interessante Details vom Alltag jenseits des Atlantiks erfuhren und am Warflether Sand erste Salsaschritte lernten, konnten Erwachsene am Dienstagabend das fremde Lebensgefühl genießen. Zunächst stellte die temperamentvolle Mittelamerikanerin ihr Heimatland mit einem Film vor. Malerische Palmenstrände, klare Seen, die Kulturschätze der Majas oder Vulkane sorgten dabei für Fernweh. Bevor es Grundschritte in Bachata, Merengue oder Salsa gab, hatte Raquel Xiomara Martinez einige landestypische Leckereien vorbereitet.
800 Schüler besuchen die Deutsche Schule, die durch das hohe Schulgeld nur dem wohlhabenden Bevölkerungsteil vorbehalten ist und vom Kindergarten bis zum anerkannten deutschen Abitur reicht. Umso wichtiger findet es Martinez, dass Kinder, die vielleicht eines Tages in der Regierung sitzen, auch die Schattenseiten ihres Landes kennen. „In der besonders armen Region Chiquimula verhungern nahezu unbemerkt viele Menschen. So etwas wird von einem Großteil der Bevölkerung einfach nicht wahrgenommen“, erklärte die Sportlehrerin, die mit Spendenläufen an ihrer Schule darauf aufmerksam machen möchte.
„Die Spenden, die bei solchen Aktionen fließen, versiegen leider auch schnell wieder. Um nachhaltig zu helfen, bauten wir dort einen Hühnerstall und schafften Hühner an. Die Eier dienen zur Ernährung oder können verkauft werden, während Saatgut oft auf dem Acker vertrocknet“, erzählte sie von ihrem ehrgeizigen Projekt, das eine Hilfe zur Selbsthilfe ist.
Beeindruckt war Raquel Xiomara Martinez von der Sicherheit, dem gegenseitigen Respekt und der Freiheit hierzulande. Die sind in ihrer Heimat nicht selbstverständlich. Die Disziplin an ihrer Schule sei dagegen weitaus größer. „Das erwarten die Eltern, die viel Geld für den Schulbesuch zahlen“, schmunzelte sie, bevor sie zum Tanz aufrief.
