Nordenham/Goslar - „Wir waren ja aus den vergangenen Jahren schon so einiges von der Politik gewohnt“, sagte Gymnasiallehrer Dirk Müller. „Aber was Ministerin Frauke Heiligenstadt diesmal vorgetragen hat, war wirklich eine Zumutung.“ Der Nordenhamer Ortsverband der Philologen hatte ihn zusammen mit Dr. Sebastian Wegener zum Philologentag nach Goslar entsandt.
Es sei kein Wort des Ausgleichs in Richtung der Gymnasien gefallen, „stattdessen Phrasen und die bekannten Nebelkerzen, mit denen die Landesregierung die offensichtlichen Verschlechterungen an den Gymnasien zu verschleiern versucht.“
Bei einer Podiumsdiskussion stellten sich die bildungspolitischen Sprecher von CDU, FDP und Grünen sowie der Cuxhavener SPD-Landtagsabgeordnete Uwe Santjer den Fragen des Publikums. Kai Seefried (CDU) und Björn Försterling (FDP) sicherten der Öffentlichkeit zu, dass sie im Falle einer Regierungsübernahme die Benachteiligungen für das Gymnasium rückgängig machen werden. „Allein die einseitige Arbeitszeiterhöhung ohne Lohnausgleich für die Gymnasiallehrer kostet viele junge Referendare ihre berufliche Zukunft“, erläuterte Sebastian Wegener. „In ganz Niedersachsen sind zum 1. Februar nur 85 Stellen für Gymnasien ausgeschrieben, während gleichzeitig mehrere hundert Referendare ihre Ausbildung beenden.“
Für die Gymnasien bedeute dieser bildungspolitische Kahlschlag, dass auf lange Zeit kaum junge Lehrer die Kollegien mit neuen Ideen bereichern können. Diese Benachteiligung kritisierte auch die Geschäftsführerin des Verbandes der Elternräte an Gymnasien, Petra Wiedenroth. Die Botschaft sei klar: „Es geht um die Zukunft des Gymnasiums insgesamt, das beide Regierungsparteien gemäß ihrer Beschlusslage mittelfristig zugunsten einer flächendeckenden Einheitsschule abschaffen wollen.“
Dirk Müller sagte: „Unser Protest geht weiter, und die Landesregierung bekommt die Folgen schon zu spüren.“ Sebastian Wegener ergänzte: „Selbst wenn die Landesregierung nicht aus Einsicht ihre willkürliche Arbeitszeiterhöhung für die Gymnasiallehrer zurücknimmt, die Klage des Philologenverbandes wird letztlich erfolgreich sein.“
Abschließend appellierten beide an Schüler und Eltern: „Die Arbeitszeiterhöhung ist nur einer von vielen Nadelstichen gegen das Gymnasium. Es ist aber unsere gemeinsame Schule, deshalb lassen Sie uns auch weiter zusammen für das Gymnasium kämpfen und den Bildungsabbau verhindern.“
