LEMWERDER - Gleich drei Referenten hatte die FDP Lemwerder am Montagabend in die Begu eingeladen, um über das Thema Gesamtschule zu sprechen.
Den Anfang machte Dietrich Smidt, Schulleiter der Helene-Lange-Gesamtschule mit gymnasialer Oberstufe in Oldenburg. Seit 20 Jahren werden dort Jungen und Mädchen mit unterschiedlichsten Leistungsniveaus ab der fünften Klasse gemeinsam unterrichtet. „Verschieden sein – gemeinsam lernen“ ist das Motto der Schule. Erst ab der achten Klasse werden die Schüler benotet, davor gebe es Lernentwicklungsberichte. Der Unterricht erfolge an Gruppentischen, die sich nach bestimmten Regeln zusammensetzen. Die Schüler lernen so, sich gegenseitig zu unterstützen. Sie werden, je nach Leistungsstärke, mit unterschiedlichen Aufgaben und Zusatzaufgaben bedacht. „Der Leistungswille muss stets vorhanden sein“, betonte Dietrich Smidt ausdrücklich. Es gibt bis zur zehnten Klasse kein Sitzenbleiben und ein Wechsel der Leistungseinstufung zwischen den drei verschieden Formen ist jederzeit möglich.
Bei den Wahlpflichtfächern gebe es eine bessere Ausstattung als an differenzierten Schulen. Neben Sprachen ist auch viel Technisches oder Handwerkliches im Angebot.
Als nächstes informierte die Fachbereichsleiterin Astrid Bäkermann vom Landkreis Wesermarsch über den rechtlichen Rahmen und Zahlen. Ganz entscheidend seien die zu erwartenden Schülerzahlen. Die Schülerzahlen des Landkreises werden bis zum Schuljahr 2015/2016 um mindestens 25 Prozent sinken. Vorgeschrieben sei die Fünfzügigkeit, also rund 130 Schüler pro Jahrgang, bei einer IGS. Durch Befragungen von Eltern soll der Bedarf ermittelt werden. Über eventuelle Standorte werde noch nicht gesprochen. Eine Mutter bemängelte, dass Schüler der Wesermarsch nur selten und unter hohem bürokratischem Aufwand von Gesamtschulen in Delmenhorst oder Oldenburg aufgenommen würden.
Jürgen Janssen berichtete als Schulleiter der Haupt- und Realschule Rodenkirchen von seinen Erfahrungen: Bei den rückläufigen Schülerzahlen sieht er für die Haupt- sowie die Haupt- und Realschulen eine negative Tendenz zu Klassen, in denen Schüler zweier Jahrgänge oder Schulformen zusammen unterrichtet würde. Integrierte Gesamtschulen böten da Vorteile.
