Lemwerder - Die Eschhofschule Lemwerder soll zum 1. August 2020 geschlossen werden. Der Landkreis Wesermarsch plant als Schulträger der Oberschulen eine Zusammenlegung der Oberschulen Berne und Lemwerder am Standort in Berne. So lautet der Beschlussvorschlag, den die Kreisverwaltung am 5. September dem Ausschuss für Schulen, Kultur und Sport unterbreiten will.

Auch die Vorsitzenden der Schulelternräte beider Oberschulen sowie der Grundschulen in den Gemeindegebieten Berne und Lemwerder wurden laut Landkreis über die Planungen informiert und werden um eine schriftliche Stellungnahme bis zum 3. September gebeten.

Seitdem ist das Entsetzen über die Pläne des Landkreises Wesermarsch in Lemwerder groß: Elternvertreter der Oberschule haben bereits eine Unterschriftenaktion in der Gemeinde gestartet und rufen zum Protest auf. Mit der Schließung der Schule und einem Wechsel der Schüler nach Berne wären schließlich neue Schulwege, neue Klassengemeinschaften, neue Lehrer verbunden. Schon am Wochenende kochte beim Drachenfest die Gerüchteküche, in den Sozialen Netzwerken wurde intensiv diskutiert: Bei Facebook herrschte bei manchem Ungläubigkeit. Von einem Aprilscherz war die Rede, anders könne das gar nicht sein. Eine Mutter kommentierte, mit ihrer Familie überhaupt erst nach Lemwerder gezogen zu sein, weil es vor Ort alle Schulformen gibt, und ein anderer Nutzer schreibt: „Das ist nicht deren Ernst, oder?“

Bis zum 5. September will die Elternschaft in Lemwerder möglichst viele Unterschriften gegen die Schließung sammeln.

22 neue Fünftklässler hat die Eschhofschule in der vergangenen Woche mit Beginn des neuen Schuljahres übrigens begrüßt. Damit ist die Schule von einer Zweizügigkeit weit entfernt. Und gemäß der Verordnung für die Schulorganisation (SchOrgVO) des Landes Niedersachsen muss eine Oberschule ohne gymnasiales Angebot mindestens zweizügig geführt werden. Das heißt: In jedem Jahrgang muss es mindestens zwei Klassen geben.

In einer Pressemitteilung führt der Landkreis aus, dass Berne als Standort der neuen gemeinsamen Oberschule in Betracht komme, da es mit dem Gymnasium Lemwerder ein Angebot in der Sekundarstufe eins vor Ort gebe. Als Schulträger sei der Landkreis zudem gemäß Landesschulgesetz verpflichtet, Maßnahmen zu ergreifen, um das notwendige Schulangebot vorhalten zu können, wenn Schülerzahlen einbrechen. Dazu gehöre auch das Zusammenlegen zweier Schulen derselben Schulform.

Seit Beginn des Schuljahres 2017/2018 seien die Schülerzahlen an der Oberschule Lemwerder kritisch. Laut Prognose setze sich dieser Trend bis 2028/2029 fort – die Zweizügigkeit sei unterschritten.

Die vorgeschriebene Zweizügigkeit an Oberschulen soll gewährleisten, dass in den Hauptfächern die Kinder je nach ihren Bedürfnissen in Grund- und erweiterten Kenntnissen unterrichtet werden können. Dieser differenzierte Unterricht sei nun nicht mehr möglich. Auch wirke sich die geringe Schülerzahl auf die Lehrerzahlen aus: Freie Stellen würden laut Mitteilung des Landkreises nicht nachbesetzt. Mit der Zusammenlegung der beiden Oberschulen geht der Landkreis davon aus, dass die Anforderungen an den Bestand einer Oberschule langfristig erfüllt werden können.

Beim Gymnasium Lemwerder geht der Landkreis davon aus, dass die erforderliche Zweizügigkeit hier gesichert ist. „Sollten sich gegenläufige Entwicklungen ergeben, könnten entsprechende Maßnahmen getroffen werden, um die Zweizügigkeit am Gymnasium zu sichern“, heißt es in der Mitteilung.

„Aufregend“ sei der Schritt in eine neue Schule, hatte der Schulleiter der Eschhofschule, Andreas Diercks, seinen neuen Schützlingen in der vergangenen Woche gesagt. Nun ist es nicht unwahrscheinlich, dass sie diesen Schritt im nächsten Jahr gleich noch einmal machen müssen.

Anja Biewald
Anja Biewald Redaktion Oldenburg