Elsfleth - Die Sprachbarriere ist das größte Problem, darin sind sich die Schulleiterinnen der Elsflether Grundschulen, Karen und Elke Freels, sowie Oberschulleiter Jochen Wessels bei der aktuellen Flüchtlingssituation einig.
Insgesamt 15 Kinder aus Flüchtlingsfamilien besuchen derzeit die Grundschule Alte Straße. Eine Sprachlernklasse gibt es nicht, dafür gebe es im Moment auch gar keinen Raum, erklärt Karen Freels.
Angst vor der Turnhalle
Einige Schüler haben durch die Unterbringung in Notunterkünften Angst vor Turnhallen entwickelt, erzählt die Schulleiterin. Das ist inzwischen eines der Dinge, die sie schon bei der Anmeldung – die nur mit Dolmetscher stattfinden kann – abklärt. Dabei muss sie oft Dinge erklären, die für Einheimische selbstverständlich sind, zum Beispiel, dass die Kinder ein Brot für die Pausen mitbringen sollen, oder dass die Eltern Bescheid sagen müssen, wenn ihre Kinder krank sind.
Die Flüchtlingskinder, die an der Grundschule Alte Straße hauptsächlich aus Syrien, Albanien und Afghanistan kommen, sind in die Klassen integriert. Zusätzlich bekommen sie Deutschunterricht.
Seit rund zwei Wochen werden die Lehrer an der Grundschule Alte Straße von einer speziell für die Flüchtlingsarbeit eingestellten Kraft, Uta Bärmann, unterstützt. „Sie ist jetzt erstmal dabei, sich einen Überblick zu verschaffen, gibt aber auch schon zusätzlichen Deutschunterricht“, sagt Freels.
Insgesamt fünf Flüchtlingskinder aus Syrien und dem Irak besuchen derzeit die Grundschule Lienen. Besondere Ängste hat Schulleiterin Elke Freels nicht festgestellt. Was die Kinder erlebt haben, kann sie jedoch nur vermuten. Um so mehr freut es sie, dass die Kinder immer fröhlich zur Schule kommen, erzählt sie. Auch hier sind die Schüler in die entsprechenden Klassenstufen integriert und bekommen zusätzlich Deutschunterricht.
Für die älteren Schüler sei es etwas schwieriger, sagt die Schulleiterin. „Sie konnten schon schreiben und müssen jetzt ein neues Alphabet lernen und von links nach rechts lesen statt von rechts nach links“, sagt sie. Die drei Erstklässler lernen dagegen im ganz normalen Deutschunterricht mit ihren deutschen Mitschülern erst das Alphabet kennen. Im zusätzlichen Deutschunterricht steht für alle Flüchtlingskinder ein Alphabetisierungslehrgang auf dem Stundenplan. Erste Erfolge lassen sich bereits verbuchen. „Sie haben schon so viel gelernt“, freut sich Freels. Und auch auf ihre deutschen Schüler ist sie sichtlich stolz: „Die Kinder helfen mit. Sie sind alle ganz bemüht.“ An der Grundschule in Moorriem sind noch keine Flüchtlingskinder.
Die Elsflether Oberschule besuchen dagegen 15 junge Flüchtlinge, die noch gar kein Deutsch können und hauptsächlich aus dem Irak, Syrien und Afghanistan kommen, erzählt Schulleiter Jochen Wessels.
Zusätzlicher Unterricht
Auch hier bekommen die Schüler zusätzlichen Deutschunterricht. Bisher sind die Flüchtlingskinder regulär in den verschiedenen Klassen untergebracht, doch zum Sommer will die Oberschule eine Sprachlernklasse beantragen. Denn neben den Kindern aus Flüchtlingsfamilien gebe es an der Oberschule noch weitere Schüler aus Ländern wie Rumänien oder Polen, die Schwierigkeiten mit der Sprache hätten, sagt Wessels.
Einige Flüchtlingskinder haben sehr mit den kulturellen Unterschieden zu kämpfen; manche haben noch nie eine Schule besucht, ist sich Wessels sicher. „Die Schüler wissen gar nicht, wie sie mit dieser Situation umgehen sollen und müssen plötzlich sechs Stunden am Tag in der Schule still sitzen“, sagt er. Eine Familie sei deutlich traumatisiert. Hier bekommt die Oberschule inzwischen Unterstützung durch einen Schulpsychologen von der Landesschulbehörde.
Andere Flüchtlingskinder kommen dagegen gut zurecht. „Einige sind total fleißig. Bei ihnen merkt man, dass sie schnell ins Sprechen kommen wollen, und sie verstehen auch schon viel“, sagt Konrektorin Nicole Klarmann. Ein Schüler habe sogar gerade zum Gymnasium gewechselt, erzählt Jochen Wessels.
