Sande - Nirgendwo sonst in der Gemeinde Sande wird der Umbruch in der Gesellschaft derzeit so deutlich wie im evangelischen Kindergarten: Kinder aus 14 Nationalitäten sind hier angemeldet. Jedes vierte der insgesamt 115 Kinder kommt aus einem Elternhaus mit ausländischen Wurzeln, viele der Migranten- und Flüchtlingskinder sprechen kaum Deutsch und nicht wenige belastet das Trauma der Flucht.

„Das ist natürlich eine Riesenherausforderung für die Mitarbeiter“, sagt Sandes Pfarrer Gerd Pöppelmeier am Rand des Sommerfests im Kindergarten. Eine der sechs Gruppen bestehe sogar zu einem Drittel aus Migrantenkindern.

Der evangelische Kindergarten profitiere allerdings seit einigen Monaten von dem bundesweiten Förderprogramm „Sprachkita“, mit dem eine zusätzliche Fachkraft eingestellt werden konnte, die die 30 Mitarbeiter des Kindergarten in der Sprachförderung der Kinder unterstützt. Außerdem haben Kindergartenleiter Detlev Uwe Fleischer und seine 30 Erzieherinnen und pädagogischen Mitarbeiter kürzlich an einem Wochenendseminar teilgenommen, in dem es zum einen um die Sprachförderung speziell zur Flüchtlingssituation ging und zum anderen um den Umgang mit Kindern, die von Krieg und Flucht traumatisiert sind.

Trennungsängste habe anfangs fast jedes Kind, das in den Kindergarten gebracht werde, aber hier potenziert sich das, so Pöppelmeier. Das sei in den Kinderköpfen drin. Die Mitarbeiter müssen lernen, damit richtig umzugehen.

Beim Sommerfest ist von Trennungsängsten und Sprachschwierigkeiten nichts zu spüren. Alle wuseln wild durcheinander und haben gemeinsam Spaß.

Die Kirchengemeinde bietet auch Sprachkurse für die Eltern an. Ehrenamtliche Kräfte kümmern sich zweimal in der Woche um Sprachunterricht. Das sei mitunter nicht ganz einfach, denn die Bandbreite reiche vom Analphabeten bis zur Hochschulbildung. „Die Eltern sind nun einmal der Schlüssel zu den Kindern“, sagt Pöppelmeier.

Der ev. Kindergarten Sande mit seiner Krippengruppe sowie zwei Regel- und drei Integrationsgruppen trage mit rund 30 Flüchtlingskindern die Hauptverantwortung der Integrationsleistung und Sprachförderung in Sande: In Neustadtgödens besuche kein einziges Migrationskind den Kindergarten, in Cäciliengroden sind es drei.

Oliver Braun
Oliver Braun Redaktion Jever