Friesoythe - In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 brannten in ganz Deutschland mehr als 1 400 Synagogen und jüdische Gemeindehäuser – auch in Cloppenburg und Oldenburg. In der Reichskristallnacht wurden Fensterscheiben von Geschäften eingeschlagen, Läden geplündert und jüdische Friedhöfe verwüstet. Damit setzte die Phase der systematischen Verfolgung und Diskriminierung von Juden durch die Nationalsozialisten ein.
Um an die damaligen Geschehnisse dieser Nacht zu erinnern, fand in der Aula der Realschule Friesoythe am Montagabend die feierliche Übergabe des „Lichtes gegen das Vergessen“ statt. Die Schüler der Berufsbildenden Schulen übergaben das Symbol an die Realschule weiter, die nun ein Jahr lang die Patenschaft dafür übernimmt. „Ich bin froh, dass das Licht gegen das Vergessen auch hier in der Realschule Friesoythe Halt macht“, sagte Schulleiter Hermann Meemken.
Die Leuchte ist eine von insgesamt vier individuell gestalteten Symbolen der Erinnerung im Landkreis Cloppenburg, die von der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit gestiftet wurde. „Die ehemalige Vorsitzende Maria Ostendorf hat eine polnische Grableuchte als Erinnerungsleuchte umfunktioniert und mit einem Davidstern versehen“, berichtete Dr. Irmtraud Kannen von der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit über die Friesoyther Leuchte.
Mit dem Patenschaftsjahr habe die Schule nun einen besonderen Auftrag entgegen genommen, erklärte sie. Die Leuchte müsse dabei nicht nur würdig platziert werden, sondern solle auch dazu anregen, sich eingehend mit den vielen Facetten und der Thematik zu beschäftigen, so Dr. Irmtraud Kannen. Das können die Zehntklässler auf einer Studienfahrt nach Polen demnächst in die Tat umsetzen, wenn sie unter anderem die Gedenkstätte Auschwitz besuchen.
Auch das Programm der Gedenkfeier gestalteten die Schüler aktiv mit. Jessica Stark und Jennifer Rerich eröffneten mit dem Klavierstück „Comptine d’ un autre e’te“ den Abend. Felix Wulfers führte durch die Feier und gab einen historischen Überblick zur Verfolgung der Juden von der Machtergreifung Hitlers 1933 bis zum Kriegsende 1945. Daneben traten die Realschüler als „Moorsoldaten“ auf und sangen das „Börgermoorlied“. Das wurde von Häftlingen aus dem 30 Kilometer von Friesoythe entfernten Lager Börgermoor zur Belustigung der SS-Wachmannschaft gesungen und erlangte später internationalen Bekanntheitsgrad.
Im Anschluss trugen Schülerinnen der zehnten Klassen die zahlreichen Maßnahmen und Bestimmungen gegen die jüdische Minderheit in der NS-Zeit vor und veranschaulichten dadurch deren öffentliche Diskriminierung.
Zeit zur Besinnung und stillem Gedenken gab derweil das Stück Symphony No. 3, Opus 36 vom polnischen Komponisten Henryk Mikołaj Góreckibot, das mit eindrucksvollen Bildern untermalt war. Auch Adriana Leimberger brachte mit ihrem Solo „Read all about i t“ das Publikum zum Nachdenken.
