Ganderkesee - Sich morgens im Bett noch einmal umdrehen und einfach eine Stunde länger schlafen – ein Wunschtraum vieler Schüler. Gelegen käme da der spätere Unterrichtsbeginn, der von der ehemaligen Familienministerin Kristina Schröder vorgeschlagen wurde. Was sagen Schulleiter, Eltern und Schüler in Ganderkesee dazu?
„Jeder freut sich, wenn er länger schlafen kann“, meint Dr. Renate Richter, Schulleiterin am Gymnasium Ganderkesee, „dann müssten die Schüler aber dementsprechend auch länger in der Schule bleiben.“ Zwar komme es gerade in der Mittel- und Oberstufe häufig vor, dass die Jugendlichen zum Unterrichtsbeginn um 7.45 Uhr noch nicht ganz fit seien: „Viele gehen aber auch einfach zu spät ins Bett“, gibt Richter zu bedenken.
Weniger Freizeit
Generell müssten zahlreiche Rahmenbedingungen verändert werden, um einen späteren Schulbeginn zu realisieren; so müssten die Schüler dann beispielsweise in der Schule Mittag essen können. In erster Linie seien die Zeiten jedoch vom Busverkehr abhängig, erklärt Gemeindemitarbeiterin Sieglinde Jahn: „Wir überlassen es den Schulleitungen, den Unterrichtsbeginn festzulegen, sie sind aber abhängig von der Schülerbeförderung, die vom Landkreis organisiert wird.“ Gerade in einer Flächengemeinde wie
Ganderkesee würde eine Neustrukturierung viel Aufwand erfordern.
Darauf weist auch Manfred Gliese, Leiter der Ganderkeseer Oberschule, hin und meint im Hinblick auf längere Unterrichtszeiten und damit weniger Freizeit am Nachmittag: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass das im Sinne der Schüler wäre. Deshalb würde ich am Unterrichtsbeginn um 7.45 Uhr nicht rütteln wollen.“
Auch Thomas Langner, Gemeindeelternratsvorsitzender der Schulen, hält relativ wenig von dem Vorschlag: „Kinder brauchen ihre Freizeit und die würde durch einen späteren Unterrichtsbeginn deutlich eingeschränkt.“
Betreuungsprobleme
Genau so sehen das auch die Schülervertreter des Gymnasiums Ganderkesee: „Eigentlich wäre es ganz nett, länger zu schlafen“, räumt Pascal Paukstat ein, „aber wiederum nicht, dafür länger in der Schule zu bleiben und keine Zeit für Hobbys zu haben.“ Durch einen späteren Schulbeginn verlagere sich alles nach hinten und die Schüler würden somit auch später ins Bett gehen. „Wir sehen diesen Vorschlag als nicht sinnvoll an“, folgern die Schüler.
Eine weitere Schwierigkeit sieht Dörte Lohrenz, Leiterin der Grundschule Bookholzberg: Gerade bei jüngeren Kindern ergebe sich ein Betreuungsproblem, wenn die Eltern morgens zur Arbeit müssen und die Schule erst später beginnt.
„Passt ein späterer Schulbeginn überhaupt in den gesellschaftlichen Rhythmus?“, fragt die Schulleiterin. Der Arbeitsbeginn der Eltern, Freizeitangebote von Vereinen und der Ablauf in den Schulen sei mit einer solchen Verschiebung schwer vereinbar. „Generell könnte man das machen, es müssten nur die Rahmenbedingungen entsprechend verändert werden“, urteilt Lohrenz.
