Rodenkirchen - „Lernen ist wie Rudern gegen den Strom. Wer aufhört, fällt zurück.“ Mit diesem bildlichen Vergleich erläuterte Andreas Hensing vom Verein LVB Lernen die Wichtigkeit des Gehirntrainings an jedem Tag.
Die Oberschule Rodenkirchen hatte den Referenten eingeladen, damit er vor den Eltern aller Klassen Lernmethoden und Lerntypen erklärt. Es hatten sich zwar fast 50 Eltern angemeldet, letztlich saßen aber nur gut 30 von ihnen plus Lehrer der Oberschule in der Mensa. Hensing parlierte auf humorvolle Weise und versuchte den Zuhörern ein Gefühl für Lernprozesse zu geben. Im Gepäck hatte er auch einige wertvolle Tipps für zu Hause, die es den Eltern leichter machen, ihre Kinder für Lerninhalte zu motivieren.
Zahllose Vorträge
Der Verein LVB Lernen ist ein Zusammenschluss engagierter Lehrer und Pädagogen, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, deutschlandweit mit vielen hundert Vorträgen an allen Schulformen die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse über das Lernen zu vermitteln und den Eltern geeignetes Material an die Hand zu geben.
Andreas Hensing selbst ist Diplompädagoge mit wissenschaftlichen Wurzeln, die er aber mit dem Heranwachsen seiner drei Kinder in mehr praxisorientierte Aufgaben umwandelte.
In seinem Vortrag „Das Lernen lernen“ beschrieb der Hamburger kurz die beiden unterschiedlichen Gehirnhälften und deren Ausrichtung in mehr rationale oder mehr emotionale Denkmuster. Schon Kinder benutzten spontan eine der beiden Gehirnhälften, und das könne ein wichtiger Hinweis für die Eltern sein. Für die Anwesenden gab es im Laufe des über zweistündigen Vortrages immer wieder kleinere Übungen und Experimente, die das Lernvermögen am eigenen Körper erfahrbar machten.
Den Lernwillen steigern
Vor allem der Lernwille bei den Kindern sei entscheidend, damit der Prozess der Umwandlung des Lernstoffs im Gehirn auch effektiv ablaufen könne. Erst nach 20 Minuten seien neue Inhalte relativ dauerhaft abgespeichert, müssten aber auch wiederholt werden, um im Langzeitgedächtnis abgespeichert werden zu können. Der Prozess laufe zwar automatisch ab, werde er aber gestört durch viele Außenreize wie Computerspiele, finde dieser Prozess nicht mehr optimal statt und es komme vorzeitig zu Gedächtnisverlusten. „Wer lernt und nicht wiederholt, kann sich das schenken“, stellte Hensing unmissverständlich fest.
Auch das strukturierte Lernen sei nachhaltiger, und das Unterteilen in kleinere Lernpäckchen führe zu besseren Ergebnissen. „Kinder, die strukturiert lernen, haben es leichter und sie lernen auch schneller“, sagte Hensing und fügte an, dass das Lernen mit Erfolgserlebnissen deutlich mehr Spaß mache und zu weniger Null-Bock-Phasen führe.
Im zweiten Teil seines informativen Vortrags ging Hensing auf die unterschiedlichen Lerntypen ein, die logisch-abstrakt, sicherheitsliebend, emotional oder kreativ-chaotisch mit neuen Stoffen umgehen. Es sei wichtig, den Lerntyp herauszufinden, um dann gezielt an neue Aufgaben herangehen zu können, ohne aneinander vorbeizureden.
Eine Möglichkeit, Rechtschreibschwächen zu begegnen, sei die Visualisierung der Wörter auf großen Zetteln, damit die Kinder sie optisch verinnerlichen können. Nicht so sehr die guten Noten in der Schule sollten belohnt werden, sondern vielmehr der erfolgreiche Lernweg, der schließlich zu den guten Noten geführt habe.
„Wichtig ist: Eltern sollten auch außerhalb der Schulthemen genügend Zeit miteinander verbringen, um Frustrationen bei den Kindern zu vermeiden“, betonte Andreas Hensing und erwähnte zum Beispiel gemeinsame Mahlzeiten, bei denen einfach andere Themen im Vordergrund stehen.
