Oldenburg - Erhebend. Das passt. Erhebend und verbindend war der Ausklang des Festgottesdienstes am Freitag in der vollen Forumskirche St. Peter. Gefeiert wurde das 125-jährige Bestehen der Liebfrauenschule – und Oberstufenchor und Orchester füllten unter Leitung von Mathias Kroll zum Abschluss auf wunderbare Weise den Kirchenraum mit Händels „Hallelujah!“ aus dem Messiah.

„Vor zwei Jahren hast Du Dich bei einer Visitation als Liebhaber dieser Schule bezeichnet“, hatte Schulpfarrer Jan Kröger bei seiner Begrüßung zu Weihbischof Heinrich Timmerevers gesagt. „Und ich gebe Dir Recht, diese Schule muss man lieben.“

Die Schule habe sich sehr erfolgreich entwickelt – zu einem Gymnasium mit heute 760 Schülern und 66 Lehrkräften, sagte Timmerevers. „Wir suchen in Oldenburg die ökumenische Verbundenheit im Dialog und pflegen Gemeinsamkeiten, sind uns aber auch der Unterschiede bewusst.“

Im anschließenden Festakt in der Sporthalle, in der die Big-Band musikalisch feinsten Dampf erzeugte, erinnerte Leiter Norbert Steinkamp an die Anfänge: „Die Gründung der kleinen Schule 1888 durch die Kongregation der Schwestern Unserer Lieben Frau, um den Mädchen in der Region Bildung zu vermitteln vor dem Hintergrund des christlichen Glaubens“. Auch eine Vorschule für Knaben gehörte dazu. Steinkamp dankte dem Weihbischof, der Schulstiftung und dem Offizialat „für die sehr gute Unterstützung in den letzten 24 Jahren“. Denn seit 1979 befindet sich die Schule als bischöfliches Gymnasium in Trägerschaft der Schulstiftung St. Benedikt.

Die katholische LFS stehe „in einer säkularen Gesellschaft hoch im Kurs“, sagte Pfarrer Dr. Jan Loffeld (Münster) in seinem Festvortrag. Denn hier werde „etwas gelernt, das sich als Proviant auf dem Lebensweg nicht allzuschnell aufzehrt“.

„Die Kirche geht zur Schule, und sie tut gut daran – weil sie hier im Gespräch mit jungen Menschen bleibt, und weil sie dazulernen muss“, sagte Prälat Peter Kossen.

Elternvertreter Jörg Bauer-Hack attestierte den Schülern mit Blick auf die aktuelle Abi-Zeitung u.a. „Kritikfähigkeit und Selbstbewusstsein, Humor und Beobachtungsgabe, Respekt und Zuneigung“.

Wer nach einer Konstante in der 125-jährigen Geschichte suche, finde vermutlich vor allem „das christliche Miteinander“, sagte Schülervertreterin Hanna Niemann, die dafür aus Alltag viele Beispiele fand. Schule bedeute nicht nur Lernen, sondern auch Leben und Gemeinschaft – „und für all das sind wir ganz schön dankbar“.

Ralph Anderl, erfolgreicher Berliner Brillen-Unternehmer und Designer (IC Berlin), der an der Liebfrauenschule vor 24 Jahren sehr mühsam sein Abitur baute, sagte, er selbst sei ein Beispiel dafür, dass man auch mit schlechten Noten erfolgreich im Leben sein könne.

Die Schulzeit habe in dieser Hinsicht nur begrenzte Aussagekraft, was man sich durchaus manchmal vor Augen halten dürfe. Wie beim Gleichnis vom „Verlorenen Sohn“ sei es gut, sich „Problemkindern“ zuzuwenden, vielleicht mehr als Jahrgangsbesten.

Karsten Röhr
Karsten Röhr Redaktion Oldenburg