LITTEL - Jedes Revier benötigt mindestens einen Jagdhund. Dies schreibt der Gesetzgeber vor.
Von Werner Fademrecht
LITTEL - Zita, der kleine Münsterländer, steckt in einer tierischen Zwickmühle. Eine tote Ente hat er im Maul, über eine zweite ist er zufällig gestolpert. Was tun? Er legt den einen Vogel ab und hebt den anderen auf. Dann folgt das gleiche Spiel wieder anders herum, während sein Herrchen, ein paar hundert Meter entfernt, auf ihn wartet. Ein paar bange Sekunden muss der Jäger noch ausstehen, dann hat sich Zita entschieden und trägt die Beute bis zu seinem Besitzer zurück.„Das war knapp, aber die Prüfung ist bestanden“, sagt Eckhart Stapel beruhigend. Der Kreishundeobmann des Hegerings ist einer von drei Prüfern, die auf einem Feld am Korrbäksweg in Littel fünf Hunde im Alter von anderthalb bis zwei Jahren einer mehr als vierstündigen Jagdeignungsprüfung unterziehen. Der Gesetzgeber fordert von jedem Jagdrevier, dass es mindestens einen geprüften Jagdhund vorweisen kann. In der Praxis beträgt das Verhältnis Mensch zu Hund aber eher zwei zu eins. Kein Wunder, wenn man die Fähigkeiten der Vierbeiner sieht.
Es regnet in Strömen, dennoch absolvieren alle Hunde dank ihres hervorragenden Geruchssinns die Federwild- und Haaarwildschleppe-Aufgaben erfolgreich. Dabei müssen die Vierbeiner beweisen, dass sie verwundete oder getötete Tiere eigenständig aufspüren und apportieren können. Noch elementarer für einen Jagdhund ist seine „Schussfestigkeit“. Stapel und seine Prüferkollegen Dieter Greive und Dieter Fürst achten darauf, wie sich die Hunde verhalten, wenn in wenigen Metern Entfernung ein Schuss fällt. „Innehalten und schauen sollen sie natürlich, aber keinen verängstigten Eindruck machen“, beschreibt Fürst die Erwartungen. Der Achternmeerer ist es auch, der die fünf Hunde-Mensch-Teams in den Wochen vor der Prüfung trainiert hat.
Dennoch verfehlt einer der Hunde Stunden später bei der „Wasserarbeit“ das Prüfungsziel. Es gelingt ihm nicht, eine Ente aus dem Wasser zu apportieren. Dass nicht alle Hunde trotz Trainings die Jagdeignungsprüfung bestehen, sei normal, betont Dieter Greive: „Ein Tier ist halt keine Maschine.“
Wie jeder Autofahrer, der beim ersten Mal durch die Praxisprüfung gerasselt ist, darf auch der Vierbeiner mit seinem Herrchen zu einem späteren Zeitpunkt wieder antreten. Bis dahin bleibt Zeit genug, durch Üben die erkannten Schwächen auszumerzen. Und die liegen manchmal eher beim Zweibeiner. „Gerade bei Erstlingsführern mangelt es zuweilen im Umgang mit dem Hund an Konsequenz“, erzählt Prüfer Greive. Größtmögliche Eindeutigkeit sei genau das, was Hunde benötigten: Klare Grenzen und Belohnungen.
Während Rassehundeverbände in ihren Prüfungen auch das Aussehen der Vierbeiner bewerten, konzentriert sich die Jagdeignungsprüfung des Hegerings allein auf die Fähigkeiten, die ein Hund als Helfer des Menschen für die Jagd mitbringen sollte. So haben Aufgaben wie das Aufspüren einer 24-Stunden-Fährte immer einen konkreten Hintergrund. „Wenn es einem Tier gegen Abend gelingt, verletzt seinen Jägern zu entkommen, dann ist es wichtig, die Spur am kommenden Tag wieder aufnehmen zu können“, erklärt Greive. Der erfahrene Jäger aus Achternmeer ist selber immer wieder über die Fähigkeiten der Jagdhunde erstaunt, die ihnen der Mensch durch gezielte Züchtung in die Wiege gelegt hat.
Das Können sei als Veranlagung vielfach bereits da, der Hund müsse allerdings noch so konditioniert werden, dass er den Menschen optimal ergänze. „Wild aufzuschrecken und zu apportieren ist für die Vierbeiner nicht nur Spiel, sondern auch ein Job“, beschreibt der Jäger seine Erfahrungen.
