Friesoythe/Ramsloh/Bösel - Über 42 Prozent der Erststimmen für die CDU, mehr als 47 Prozent der Erststimmen für die Piratenpartei – was könnte die Erklärung dafür sein, dass die Schüler der Klasse 8RA der Oberschule Bösel so gewählt haben? Politiklehrer Stefan Willmer hat eine Idee: „Lokalpatriotismus“, sagt er.
Sowohl Karl-Heinz Bley, Direktkandidat der CDU, als auch Christian Bley, Direktkandidat der Piraten, seien den Schülern bekannt – das scheint für die Jugendlichen eine große Rolle zu spielen. Den Ausgang der NWZ -Aktion „Schüler wählen“ haben nicht nur die Böseler Schüler mit Spannung erwartet.
„Es ist interessant zu sehen, dass zum Beispiel keiner von uns die SPD gewählt hat – Wahlergebnisse können wirklich spannend sein“, findet der 14-jährige Fabian. Welchem Kandidaten und welcher Partei sie ihre Stimme gegeben haben, haben sich nicht alle Schüler gegenseitig verraten. Schließlich sind Wahlen geheim, auch bei einer Schülerwahl wie dieser. „Ich freue mich aber schon darauf, wenn ich mit 18 wählen gehe und meine Stimme dann Gewicht hat“, sagt die Schülerin Lisa-Marie.
Mit 18, oder doch vielleicht schon mit 16, wählen zu dürfen, das ist unter den Schülern ein heiß diskutiertes Thema. „Ich finde, man sollte erst ab 18 wählen. Mit 16 Jahren nehmen viele das noch nicht so ernst. Sie interessieren sich noch nicht so für Politik. Es besteht dann die Gefahr, dass viele einfach irgendeine Partei wählen ohne sich richtig zu informieren“, sagt Michael, 13, aus der Klasse 9a des Albertus-Magnus-Gymnasiums in Friesoythe.
Klassenkameradin Sandra, 14, ist da anderer Meinung: „Man sollte mit 16 Jahren schon wählen dürfen. Es gibt genug Jugendliche, die sich in diesem Alter schon für Politik interessieren. Ob man jetzt 16 oder 18 ist, macht keinen großen Unterschied. Mit 16 ist man schon reif genug.“
Das sieht auch Peter, 15, ebenfalls aus der 9a, so: „Ich bin der Meinung, dass man mit 16 wählen dürfen sollte. Wir haben alles darüber in der Schule behandelt, daher kennen wir uns aus. Mit 16 haben viele schon Interesse an Politik.“
Ihr Politiklehrer Theo Leimbrink wird mit ihnen das Ergebnis umfassend analysieren: „Die Schüler müssen als Hausaufgabe eine klassische Wahlanalyse durchführen, dazu haben wir in unserem Schulbuch eine Methodenseite“, erklärt Leimbrink. „In der nächsten Woche müssen sie dann auf die gleiche Weise die richtige Landtagswahl analysieren“, so der Pädagoge. Überraschend war vor allem, wie auch an anderen Schulen, das starke Abschneiden der Piratenpartei. Theo Leimbrink hatte dies allerdings erwartet: „Die Piraten sprechen gerade die jungen Leute, die Internetgeneration, an“, sagt der Politiklehrer.
Am Laurentius-Siemer-Gymnasium in Ramsloh wird das Ergebnis der Schülerwahl im Rahmen einer Podiumsdiskussion in den Klassenräumen der teilnehmenden Klassen aufgearbeitet: „Die Schüler haben im Internet über die entsprechenden Abgeordneten recherchiert und werden deren Ansichten vertreten. Es werden fünf Kernpositionen diskutiert“, erzählt Politiklehrer Helmut Schröder. „So erhalten wir noch einmal ein Stimmungsbild, bevor wir über die Ergebnisse sprechen werden.“
