Ramsloh - Der Schulfrieden in Niedersachsen massiv gestört, tiefe Gräben zwischen Lehrern, Schülern und Elternvertretern auf der einen Seiten und der Kultusministerin auf der anderen, eine völlig fehlgeleitete Schulpolitik: Kai Seefried, schulpolitischer Sprecher der CDU-Fraktion im Niedersächsischen Landtag, stellte Niedersachsens Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD) und der rot/grünen Landesregierung am Dienstagabend im Landgasthof Dockemeyer in Sachen Schulpolitik ein miserables Zeugnis aus. Seefried sprach auf Einladung des CDU-Gemeindeverbandes Saterland über die geplanten Änderungen am Schulgesetz.

Alleine der Zeitplan für das Gesetz, das zum Schuljahr 2015/2016 in Kraft treten soll, sei „eine Farce“. Die Schulen stünden vor einer Riesen-Herausforderung.

Die Rückkehr zum Abitur nach 13 Schuljahren sei zwar von allen gewollt, allerdings fehlte es an einer Vergleichbarkeit des Abiturs, weil in anderen Bundesländern abweichende Regelungen gelten. Mit der Rückkehr bräuchten, so Seefried, die Gymnasien in Niedersachsen 1295 zusätzliche Lehrerstellen. Weil die Schüler nun ein Jahr länger Zeit für den Schulstoff haben, werden die Unterrichtsstunden herabgesetzt – macht 1000 Stellen. Doch die fehlenden 295 neue Lehrer würden keineswegs eingestellt.

Im Gegenteil: Seit vielen Jahren das erste Mal stünden ausgebildete Gymnasiallehrer auf der Straße. Zum Halbjahr seien zwar 284 Lehrer an Gymnasien in Pension gegangen, aber nur 67 Lehrer wurden neu eingestellt.

Mehr Zeit forderte Seefried von der Landesregierung bei der Umsetzung der Inklusion. „Wir haben noch nicht einen Fuß am Boden, sondern eine lange Liste an Aufgaben“. Lehrer müssten fortgebildet werden, Förderschullehrer fehlten. Der „schlechteste Weg“ sei es, die Förderschulen Lernen abzuschaffen, wie von Rot/Grün geplant. Die „Zwangsinklusion“ durch die Abschaffung der Alternative überfordere alle Beteiligten.

„Massive Konsequenzen“ auf Oberschulen und Gymnasien sieht Seefried dadurch zukommen, dass Gesamtschulen nunmehr als ersetzende Schulform festgeschrieben seien. Mindestens vierzügig müsse die Schulform geführt werden. Seefried sieht Zusammenlegungen und Schließungen auf die Schullandschaft zukommen, um Integrierte Gesamtschulen zu ermöglichen.

Als „Skandal“ bezeichnete Seefried den Umgang der Landesregierung mit Flüchtlingen, auch im Hinblick auf die Beschulung. Denn für die Einrichtung von 200 zusätzlichen Sprachlernklassen im Land würde kein zusätzliches Geld zur Verfügung gestellt. Die Mittel stammten aus den bisher zugewiesenen Förderstunden.

Aus dem Publikum wurde die Befürchtung geäußert, dass durch die Einrichtung einer Integrierten Gesamtschule in Barßel dem Laurentius-Siemer-Gymnasium Schüler verloren gehen würden. Am Ende könnte das Schulzentrum Saterland zu einer Oberschule mit gymnasialen Zweig werden. Eine Prognose, die „durchaus genehmigungsfähig“ wäre, schloss Seefried.

Reiner Kramer
Reiner Kramer Redaktion Münsterland (Stv. Leitung Cloppenburg/Friesoythe)