Horum - Mit der Rettung des Plattdeutschen soll künftig schon im Kindergarten begonnen werden. „Wir wollen Träger von Kindergärten, Erzieher und Eltern ermuntern, mit Kindern Platt zu sprechen“, berichteten Frieslands Plattdeutsch-Beauftragte Hermann Wilken und Wolfgang Busch jetzt bei einer Sitzung des Plattdeutschen Arbeitskreises im Jeverland in der „Molkerei Horum“.

„Plattdeutsch ist eine eigenständige Sprache, kein Dialekt, und bestärkt und erhält niederdeutsche Identität. Plattdeutsch sollte wie die Dialekte in Süddeutschland zum Selbstwertgefühl beitragen“, finden Renate Reck und Meike Baumann, die als Ostfriesinnen für „uns Moderspraak“ einstehen. Reinhold Harms (Bildungsregion Friesland) nannte das Oldenburger Land, in dem Hochdeutsch und Plattdeutsch gesprochen werden, als zweisprachiges Gebiet – doch die Mehrsprachigkeit werde viel zu wenig genutzt. „Dat is en Riekdom, wenn du tweesprakig büst, wenn du Hoogdütsk un Plattdütsk kannst“, betonte Bernhard Eden.

Der Arbeitskreis unterstützt das Engagement Edens, der aus den Überschüssen seines „Plattdütschen Klön­snacks“ im Winterhalbjahr Schulen und Kindergärten im Jeverland mit plattdeutschem Unterrichtsmaterial unterstützt. Seit 2011 gibt es zum Ausleihen den „Platt-Schapp“, einen Schrank auf Rollen mit Büchern und CDs. Damit noch mehr dieser Holzkisten auf Reisen gehen können, stellt Bernhard Eden Mittel für den Bau weiterer „Platt-Schapps“ aus dem „Plattdütschen Klönsnack“ zur Verfügung.

In Schleswig-Holstein, so Wilken und Busch, ermuntert ein Infoheft Träger von Kindergärten, Erzieher und Eltern, mit Vorschulkindern Platt zu sprechen. Das Heft stellt die Vorzüge dar, wenn sich Kinder schon früh neben dem Hochdeutschen auch mit der norddeutschen Regionalsprache beschäftigen: „Mehrsprachige Kinder bilden mehr Fähigkeiten aus. Und der Erwerb der englischen Sprache wird auch erleichtert“, heißt es dort.

Die CDU hatte bereits vor einiger Zeit den Antrag zur Förderung zum Erhalt der plattdeutschen Sprache an die Landesregierung „up Platt“ gestellt. Nach dem Willen der SPD sollen Plattdeutsch und Saterfriesisch bereits in Kindergärten stärker gefördert werden, denn bisher habe man in Niedersachsen viel zu wenig zum Schutz der Plattdeutschen Sprache getan. Der Landkreis Oldenburg fördert Plattdeutsch-Unterricht an Grundschulen im Kreisgebiet und übernimmt die angefallenen Honorarkosten.