Ganderkesee - Freiwilliger Verzicht aufs Mobiltelefon? Für manche Jugendlichen schier undenkbar. Dienste wie „WhatsApp“ oder „Facebook“ helfen, den kurzen Draht zu den Freunden nicht abreißen zu lassen. Selbst nicht während der Schulzeit.
Pädagoge Ulf Langheim, Klassenlehrer der 7b am Gymnasium, wagte den Test. Er bat die 26 Mädchen und Jungen seiner Klasse, fünf Tage lang aufs Smartphone zu verzichten. Vorausgegangen waren Gespräche mit Eltern, denen die „Daddelei“ ihres Nachwuchses manchmal auf die Nerven geht, sowie die präventive Diskussion über Themen wie Cyber-Mobbing und das sogenannte „Sexting“ im Religionsunterricht, berichtete Langheim. Nach einer Woche Bedenkzeit entschied sich die große Mehrheit für den Versuch. Die Handys landeten im Schultresor – auch das Mobiltelefon des Lehrers.
Im Unterricht am Mittwoch wurde eine erste Bilanz gezogen. „Ich habe es vermisst, mit meinen Freundinnen zu chatten“, sagte Lena. Und Klassenkameradin Alina berichtete, dass sie deutlich öfter von daheim telefoniert habe. Andere bedauerten, dass sie nicht ihre Lieblingslieder übers Handy hören konnten. Mit einem Mobiltelefon könne man im Notfall schneller Hilfe herbeiholen, ergänzte Paula. Die Kommunikation litt aber nicht: „Mehr sprechen statt schreiben“, fasste Pädagoge Langheim die Diskussion zusammen.
Und wie wurde die handyfreie Zeit genutzt? „Ich war viel öfters draußen“, erzählt Lukas. Auch andere Jungs spielten öfter Fußball als sonst. Eine zwölfjährige Mitschülerin hatte sogar mehr Zeit fürs Joggen. „Wir haben viel gesünder gelebt“, ergänzte ein Junge.
Die Gymnasiasten kündigten an, ihr Medien-Nutzungsverhalten ändern zu wollen. „Ich habe einige Spiele deinstalliert“, erzählte am Mittwoch eine Schülerin. „Ich werde nicht mehr so viel mit dem Handy machen.“ Auch andere kündigten an, nicht mehr so oft aufs Handy zu gucken. Lehrer Ulf Langheim berichtete, er vergesse nach dem Selbstversuch hin und wieder, das Handy überhaupt anzustellen.
Als der Pädagoge nachhakte, wer noch einmal freiwillig aufs Mobiltelefon verzichten würde, gingen sofort 16 Hände in die Höhe.
