Schwei - „Mein Englisch ist jetzt auf jeden Fall besser“, sagt Kim Treptow und lacht. Dabei war die 22-jährige aus Kötermoor gar nicht in England oder den Vereinigten Staaten, sondern in Frankreich: Zwei Wochen hat sie in Stadlands Partnergemeinde Petit Caux verbracht.
Und in deren Nachbargemeinde Monts et Vallées. Beide Kommunen vereinigen sich, wie berichtet, am 1. Januar 2017; ihre Tourismusbüros sind aber schon seit zwei Jahren zusammen – und dort wird auch Englisch gesprochen. Kim Treptow – sie spricht das E in ihrem Nachnamen lang aus – ist keine Touristikerin, sondern sie durchläuft im Schweier Systemhaus Spiekermann eine Ausbildung zur Fachinformatikerin für Systemintegration. Zu dieser Ausbildung gehört der Besuch der Berufsschule in Varel.
Und diese Berufsschule bot den Auszubildenden Auslandsaufenthalte an. Obwohl sie sich sehr bemühte, kam Kim Treptow nicht zum Zuge. „E-Mails blieben unbeantwortet“, ärgert sich Tim Spiekermann. Als auch die IHK nicht helfen konnte, wurde Spiekermann selbst aktiv, um seiner leistungsstarken Auszubildenden einen Gefallen zu tun: Er sprach den Freundeskreis Petit Caux an. Deren Vorstandsmitglied Edith Zur-hold-Duvieuxbourg nutzte ihre Kontakte zur Gemeindesekretärin Laurence Artaud und zu Vincent Prudhomme, dem Sekretär des Freundeskreises in Frankreich. Prudhomme spricht sehr gut Deutsch.
Kim Treptow spricht kein Französisch und war vorher noch nie in Frankreich gewesen. Doch die Sprachprobleme waren kein Hindernis, auch weil in ihrer Gastfamilie Deletoille Deutsch gesprochen wird – von der Mutter Nathaly ebenso wie von der Tochter Valentine (17). Mit dem Vater Patrick und der Tochter Lea (13) sprach sie Englisch. Vater ist Chefkoch in einer Schule in Rouen, Mutter selbstständige Psychologin.
Das Haus der Gastgeberfamilie steht in Belleville im Gemeindeverband Petit Caux. Kim Treptow war von der Landschaft ganz begeistert: „Aus meinem Schlafzimmerfenster konnte ich das Meer sehen.“ Noch mehr begeisterte sie die Offenheit und Herzlichkeit der Menschen: Bei einer Feier von Valentine fühlte sie sich, als gehöre sie seit langem dazu. Gemeinsam mit der Gastgeberfamilie schaute sie die Fußball-Europameisterschaft: „Ich habe so für Frankreich gejubelt wie meine Gastgeber für Deutschland.“
Das Tourismusbüro liegt in Envermeu im Gemeindeverband Monts et Vallées. Dort analysierte Kim Treptow den Internet-Auftritt. Schade nur, dass das Wetter nicht so schön war wie in den Prospekten.
Dennoch will Kim Treptow ihre Gastfamilie unbedingt wiedersehen – entweder in Deutschland oder in Frankreich.
