Wildeshausen - Seit 36 Jahren ist Bernard Werner Lehrer an der Hauptschule Wildeshausen. Genauso lange fährt er sein Fahrrad, das ebenso zu seinem Markenzeichen geworden ist wie sein alter Mercedes und die Butterbrotdose, die ihn jeden Tag begleitete.
Dass diese unaufgeregte Bescheidenheit und Bodenständigkeit bei den Schülern ankommt, bewies die herzliche Verabschiedung, die die Jungen und Mädchen dem scheidenden Konrektor am letzten Schultag vor den Sommerferien bereiteten. Fröhlich in der Rikscha sitzend, rollte der Pädagoge, der im September 64 Jahre alt wird, in den Innenhof ein, wo ihn rund 300 begeisterte Hauptschüler mit bunten Fähnchen empfingen.
Ganz bewusst hat Werner sich schon während seiner Ausbildung für eine Tätigkeit an der Hauptschule entschieden – und das bis heute nicht bereut. „Schon damals an der Schule in Bookholzberg sind mir diese Schüler sehr nahe gekommen“, sinniert der gebürtige Vechtaer. Ganz nah dran sei man bei den Hauptschülern an Erfolg und Misserfolg, Schwierigkeiten und Fortschritten.
Das Wichtigste war dem Pädagogen denn auch in in all den Jahren, dass „die Schüler zufrieden sind und ihren Weg ins Berufsleben finden“. Stark gemacht hat sich Werner, der Wirtschaft, Technik, Werken und Geschichtlich-Soziale Weltkunde unterrichtete, deshalb auch für die „Ausbildungsbrücke“, die den Bogen zwischen Schule und Betrieben schlägt.
„Hier hat sich die Situation zum Glück sehr verbessert und insbesondere viele Wildeshauser Firmen ermöglichen unseren Schülern eine Ausbildung“, freut er sich.
Eine wesentliche Verbesserung für die Hauptschule sei auch, dass sie seit einigen Jahren ein eigenes Gebäude habe. „Die Schüler gehen einfach anders mit ,ihrer’ Schule um“, sagt der Konrektor, der das familiäre Miteinander an der mit 300 Schülern eher kleinen Schule sehr schätzt.
Gleich geblieben sei hingegen der teils schwierige Umgang mit dem, „was man heute Pubertät nennt“, schmunzelt Werner. Doch Herausforderungen hat er nie gescheut, und so hat er auch die Flüchtlingskrise in seinem letzten Schulhalbjahr weniger als Problem, denn als Bereicherung gesehen.
„Wir haben das bisher gut gemeistert, und es ist einfach toll, wenn jemand einen akzentfrei anspricht, der bis vor kurzem noch gar kein Deutsch konnte“, lobt er.
Eine große Freude ist Werner auch stets, wenn er ehemalige Schüler in der Stadt trifft, die ihm stolz erzählen, „dass aus uns auch was geworden ist.“ Von Arbeitern über selbstständige Handwerker bis zu einer Berufsschullehrerin sei da alles dabei.
Dem Ruhestand sieht Werner mit gemischten Gefühlen entgegen. „Das muss sich sicherlich alles erst mal einspielen“, meint er, freut sich aber schon auf den gemeinsamen Urlaub mit Ehefrau Gertrud in Österreich. Zudem hat er künftig endlich mehr Zeit für das geliebte Fotografieren und die Gartenarbeit.
Und so mancher ehemalige Schüler wird ihm wohl auch in Zukunft über den Weg laufen und berichten, was denn aus ihm so geworden ist.
