Friesoythe - „Ich bin noch nie zuvor in meinem Leben mit dem Fahrrad zur Schule gefahren“, brüllt Rachel Williams. Im Hintergrund läutet die Friesoyther Friedensglocke. „Peacebell“, wie es in ihrer Sprache heißt. Um gemeinsam mit ihrer deutschen Gastgeberin zum Unterricht zu radeln, musste die 14-Jährige erst einmal um die halbe Welt reisen – und das begrüßt Bürgermeister Johann Wimberg schon mal mit einem Glockenschlag.

Seit Freitag ist die Australierin mit ihren 28 Schulkameraden zu Gast in der Eisenstadt. Eine Woche lang verbringen die Jugendlichen in Gastfamilien des Friesoyther Gymnasiums. Dann geht es weiter auf Europatour: Berlin, Prag, Salzburg, die Alpen und das Rheintal. Nach drei Wochen geht es von Amsterdam via Kuala Lumpur zurück in die Heimatstadt Adelaide.

Vorher jedoch sollen die 14- bis 16-Jährigen Gelegenheit haben, die Partnerschule und „deutsches Familienleben“ kennenzulernen. Und das ist teilweise beinahe exotisch für die Jugendlichen aus Übersee. Brötchen zum Frühstück oder Eis in Spaghetti-Form hat Amelia Young noch nie probiert.

Einige „Ungereimtheiten“ ließen sich am Montagvormittag jedoch klären. Nachdem Johann Wimberg den australischen Besuch offiziell in Empfang genommen und den Gästen einen Informationsfilm über die Region gezeigt hatte, beantwortete er ausführlich Fragen nach den Ursprüngen des Eisenfestes. Was die Schützenfeiern angeht, gab es übrigens keine Unklarheiten: im Laufe der knapp 20-jährigen Austauschgeschichte zwischen den beiden Schulen kamen immer wieder längst erwachsene Australier nach Friesoythe, um ihren „Schützenfreunden“ einen Besuch abzustatten.

Zu verdanken ist die langjährige Partnerschaft dem gebürtigen Scharreler Winfried Westermann. Nachdem der Pädagoge und einstige AMG-Schüler mit 21 Jahren in den fünften Kontinent ausgewandert war, rief er 1993 den ersten Schüleraustausch zwischen Adelaide und Friesoythe ins Leben. „Angefangen haben wir mit zwei Teilnehmerinnen“, erinnert er sich.

Inzwischen sind die gegenseitigen Besuche zum festen Bestandteil des Albertus-Magnus-Gymnasiums geworden. Jedes Jahr wird ein wechselseitiger Austausch angeboten. Alle zwei Jahre machen die Australier während ihrer Europatour zusätzlich Station in der Eisenstadt – so wie jetzt.

Jedes Mal ist Winfried Westermann angetan von seiner alten Heimat und freut sich darauf, mit seinen Schülern die Eisenstadt zu erkunden – am liebsten per Fahrrad.