Beverbruch - Die lange Hofeinfahrt führt zum Haus von Thomas Grote. Ein Banner lädt zum „Blumen selbst pflücken“ ein. Seine Eltern betreiben Landwirtschaft. Wer hierher kommt, schnackt Platt.

Mitschnacken kann der Schüler nicht, dafür versteht er alles und liest noch dazu wie ein Meister. Und zwar so gut, dass er den zweiten Platz beim Landesentscheid des Plattdeutschen Lesewettbewerbs „Lääswettstriet“ in Hannover gewann – zweitbester Plattdeutsch-Leser in Niedersachsen. „Das ist schon cool“, muss der 15-Jährige zugeben, der in die neunte Klasse der Liebfrauenschule Cloppenburg geht.

Hier bestand er zunächst im Klassen- und Schulentscheid. Nach einem anschließenden Kreisentscheid in Garrel folgte der Bezirksentscheid in Oldenburg. Erst dann wurde man zum Landesentscheid zugelassen. Hier traten dann die besten Leser aus insgesamt sieben Bezirken in jeweils fünf Altersgruppen gegeneinander an.

Lesen allgemein sei eines von Thomas’ vielen Hobbys. Zwei bis drei Bücher könne er in einer Woche verschlingen. Gleichzeitig habe er schon in der Grundschule die Plattdeutsch-AG besucht. Darüber hinaus leben die Grotes in einem Drei-Generationen-Haushalt – und Opa spricht nun einmal platt. Mit dem übt Thomas häufig das Lesen. Üben muss sein, schließlich kommt es auf mehr an, als bloß auf die richtige Aussprache: die Lautstärke, die Auswahl der Geschichte, Gestik, Mimik.

Deshalb kam Thomas gut an bei der Jury, denn er lieferte sogar die eine oder andere Gesangseinlage. Entschieden hatte er sich für den Titel „Dat eierste Maol nao Karken“, eine lustige Geschichte über ein Mädchen, das zum ersten Mal in die Kirche geht. Den Tipp bekam Thomas von seiner Religionslehrerin.

Der Landeswettbewerb im Plattdeutschen Lesen ist ein Angebot des NDR. Im Landesfunkhaus Hannover findet er alle zwei Jahre statt. Hier landete Thomas 2013 bereits auf Platz vier. Die niedersächsische Sparkassenstiftung und die Oldenburgische Landschaft sind Mitorganisatoren.

„Die Veranstaltung ist jedes Jahr super organisiert“, lobt Marion Grote, Thomas’ Mutter. Außerdem schätze sie das Engagement der Schule, an der sich die Lehrerin dafür einsetze, dass Schüler die Chance zur Teilnahme bekommen. So sei es für sie möglich, sich mit der Sprache auseinanderzusetzen.