Elsfleth - „Ich weiß noch, wir hatten alle Herzklopfen in der ersten Unterrichtsstunde“, erinnert sich Silke Renken lachend. Es war 2011, als die Elsfletherin sich zum ersten Mal vor vier Frauen unterschiedlicher Nationalitäten stellte, um ihnen die Grundlagen der deutschen Sprache zu vermitteln.

Während ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit im Braker „Refugium“ war man an Silke Renken mit der Bitte um die Lehrtätigkeit in Elsfleth herangetreten. Als eine „Frau mit sozialer Ader und ohne Berührungsängste“ musste sie nicht lange überlegen. Das nötige Rüstzeug erhielt Silke Renken in einem dreimonatigen Kursus, der ihr viel Hintergrundwissen über Menschen in anderen Ländern und Kulturen vermittelte.

Die Kurse, die ausschließlich für ausländische Frauen gedacht sind, fanden zunächst in der Grundschule Alte Straße statt und danach im evangelischen Gemeindehaus an der Oberrege. Jetzt sind Lehrerin und Schülerinnen in das „Kleine Gemeindehaus“ an der Peterstraße umgezogen. „Im Kontakt zu meinen Schülerinnen ist mir klar geworden, wie viel Ablehnung den Frauen, die sich kaum auf Deutsch ausdrücken können, immer noch entgegen gebracht wird – auch in Elsfleth“ beschreibt Silke Renken die Situation der Immigrantinnen.

Zeitweise unterrichtete Silke Renken zehn Frauen, die zehn verschiedene Sprachen sprachen. Hilfreich sind beim Unterricht deshalb spezielle Wörterbücher, in denen die jeweiligen Begriffe nicht nur übersetzt, sondern auch bildlich dargestellt werden. „Einige Frauen haben sich die Wörterbücher auch privat für den Alltag angeschafft“, erzählt die Elsfletherin.

Der steigende Zuzug von Asylbewerbern ließ Silke Renken auch außerhalb ihrer Lehrtätigkeit aktiv werden. „Hier ist besonders die Hilfestellung in behördlichen Angelegenheiten gefragt“, sagt sie. Und sie erfährt auch viel über die Schicksale der Flüchtlinge aus Kriegsgebieten: „Eine Frau aus Somalia war zwei Jahre auf der Flucht, hat unterwegs ihr Kind geboren, um sich – endlich in Deutschland angekommen – von deutschen Mitbürgern beschimpfen lassen zu müssen.“

Fast resigniert hätte sie im Fall einer iranischen Familie, die sie bei der Suche nach einem Kindergartenplatz unterstützte und über vier Monate eine Absage nach der anderen bekam. „Ich bin aber am Ball geblieben – und es hat schließlich mit Hilfe von Waltraut Ralle-Klein, der Leiterin des Kinder- und Familienservicebüros, geklappt.“ „Es geht beim Deutschunterricht aber auch fröhlich zu, vor allem bei Rollenspielen“, bekennt sie und ergänzt: „Wir haben auch schon spontan ein Nähprojekt eingerichtet, zusammen gekocht oder sind Eis essen gegangen.“

Silke Renken wird auch künftig ihr Ziel, den Frauen zur Selbstständigkeit zu verhelfen, engagiert im Auge behalten. Egal, welche Religion, Muttersprache oder welches Herkunftsland sie haben.