Varel - Er ist weich, etwas malzig aber nicht bitter. Er zerläuft im Mund und passt dadurch eigentlich fast zu jedem Charakter. Wenn man ihn beschreiben will, könnte es so oder so ähnlich klingen – doch man muss ihn schmecken. Da sind sich die Schüler der Industriekaufmannsklasse der Berufsbildenden Schule (BBS) Varel sicher. In einem kühnen Schulprojekt haben sie ihre eigene Marke entwickelt – den Friesenherz-Tee.

„Wir haben uns einfach mal in den Kopf gesetzt, ein richtiges Produkt herzustellen und zu vermarkten“, sagt Klassenlehrer Werner Lorek, der mit seinen Schülern im ersten Ausbildungsjahr im Lernfeld „Projekte planen und durchführen“ mal etwas anderes machen wollten. Da er Ostfriese ist und die Jugendlichen sofort Feuer und Flamme für das Projekt „Tee“ waren, ging es schnell ans Eingemachte. Dadurch wurden sie auf die Bremer Teehandelsgesellschaft „Cha Do“ und dessen Tochterfirma „MyCupofTea“ aufmerksam. „Bei einem Besuch in Bremen konnten wir bei einer Blindverkostung unsere eigene Teesorte selber entwickeln“, sagt Schülerin Lena Heinen.

In Zusammenarbeit mit Cha-Do-Geschäftsführer Mirko Sprecher war dann rasch das perfekte Aroma für die spezielle „Friesenherz-Mischung“ gefunden. „Jetzt musste das Produkt nur noch vertrieben werden. Das haben die Schüler dann ganz in Eigenregie geschafft. Ich war beeindruckt von ihrem Engagement“, so Lorek. „Ich hab dann einfach das Teeservice von meiner Mutter genommen, ins rechte Licht gesetzt und drauf los fotografiert“, sagt Frederike Hilbers. Schon waren Plakate und Deckblätter für die Werbung auf den Packungen fertig.

Ihr Mitschüler Joscha Eilers hatte sich derweil auf den Weg in die Vareler Geschäftswelt gemacht, um geeignete Verkaufstellen für den neuen Tee zu finden. Profit aus dem Tee wollte aber kein Schüler schlagen. „Durch meinen Chef wurde ich auf die Hans-Joachim-Hoffmann-Stiftung aufmerksam. Sie fördert den Hospizgedanken und die Palliativmedizin“, sagt Gerrit Kersting, dessen Arbeitgeber Jan Hoffmann im Vorstand der Stiftung ist.

So geht der Erlös des Teeverkaufs zu 100 Prozent an die Stiftung. „Deshalb waren auch alle Händler sofort bereit, unseren Tee zu verkaufen“, sagt Joscha Eilers. Der BBS-Tee trägt ein Bio- und Fair-Trade-Zertifikat. „Die Teeblätter kommen größtenteils aus Vietnam und werden nicht auf Plantagen sondern noch traditionell von Bäumen gepflückt, wodurch sie einen besonders natürlichen Geschmack beibehalten“, sagt Teehändler Sprecher.

Und das wissen auch die Vareler zu schätzen. „In unserer Schule hat sich durch das Projekt eine ganz neue Teekultur entwickelt – wir haben sogar extra ein traditionelles Teeservice eingekauft“, sagt Schulleiter Ralf Thiele.

Auch bei Eltern und Freunden der Schüler ist die Nachfrage bereits groß. „Mehrere hundert Pakete sind schon verkauft – und wir bestellen noch mehr“, sagt Gerrit Kersting. Und sie wollen sich stetig weiterentwickeln – extra zu Weihnachten gibt es jetzt schon eine Wintermischung.

Heiner Elsen
Heiner Elsen Redaktion Münsterland