Hundsmühlen/Oldenburg - Offene, helle Räume und lautes Stimmengewirr – gegen 16.30 Uhr erwacht im Wohnhaus Hundsmühlen der Gemeinnützigen Werkstätten Oldenburg das Leben. Dann kehren die Bewohner nach und nach von ihrer Arbeit in den Werkstätten zurück.

Seit kurzem ist nachmittags auch Tanja Rüdebusch für sie zuständig. Die 17-Jährige hat im vergangenen Jahr ihren Realschulabschluss an der KGS Rastede gemacht. Seit August absolviert sie über das Diakonische Werk der Ev.-Luth. Kirche in Oldenburg ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) bei den Gemeinnützigen Werkstätten.

„Ich wollte einmal schauen, ob der Bereich etwas für mich ist“, meint die sympathische Oldenburgerin. „Ich wollte nicht mit kleinen Kindern oder alten Menschen arbeiten.“ Berührungsängste habe sie keine gehabt. „Ich habe eine behinderte Schwester und konnte mir die Arbeit ganz gut vorstellen.“

Angefangen hat Tanja Rüdebusch in der Werkstatt an der Rennplatzstraße, nun möchte sie noch einen anderen Bereich kennen lernen. Sie könne sich gut vorstellen, danach eine Ausbildung anzufangen, sagt sie. „Die Arbeit macht mir sehr viel Spaß – Menschen mit Behinderung sind einfach total ehrlich“, erzählt die FSJlerin. „Sie geben einem genau das zurück, was man ihnen gibt.“

Unter der Woche arbeitet Tanja Rüdebusch von 14 bis 21 Uhr in dem Haus. „Ich begleite die Bewohner im Alltag.“ Das heißt neben hauswirtschaftlichen Dingen wie Essen machen oder Zimmer aufräumen auch mal einfach nur zuhören. „Wir verstehen uns untereinander gut – ich habe die Bewohner lieb gewonnen“, sagt sie. Zwischendurch gebe es über die Diakonie Seminare, in denen sie sich mit anderen FSJlern austauschen und verschiedene Themen ansprechen könne.

Neben den anderen Mitarbeitern hat Tanja Rüdebusch mit Birgit Plauschinat, immer eine Ansprechpartnerin an ihrer Seite. „Sie könnte zum Beispiel eine Ausbildung als Heilerziehungspflegerin oder Erzieherin machen“, weiß die Hundsmühler Hausleiterin. „Viele, die hier im Rahmen einer Orientierung beginnen, wechseln später in den Bereich über und machen eine Ausbildung.“

Mittlerweile haben sich viele der Bewohner in die geräumige Küche begeben, trinken Tee und essen Obst. Tanja Rüdebusch unterhält sich an einem Tisch mit Bewohnerin Sina Schröder. „Sina hat immer ihr Tablet dabei“, sagt Birgit Plauschinat, die sich zu den beiden gesetzt hat.

„Es ist das Gefühl, gebraucht zu werden, das so wichtig ist“, weiß die Hausleiterin: „Man kann Wissen weitergeben.“ Und Tanja Rüdebusch ergänzt: „Ich fühle mich verantwortlich – man wird erwachsen.“